Zbigniew Brzezinski, der außenpolitische Berater Carters im Weißen Haus, ist ein Mann, den zwei Dinge unter anderen auszeichnen: ein tiefsitzender Animus gegen die Sowjetunion und ein Hang zum Witzeln.. Auf seiner China-Reise hat er vorige Woche beides verbunden – wie glücklich, sei dahingestellt.

„Wo sind denn die Eisbären?“ fragte er neckisch, als er von der Mauer aus nach Norden blickte – eine Gruppe chinesischer Marinekadetten pries ihn daraufhin überschwenglich als „Eisbärenzähmer“. Vorher, beim Anstieg zum Wachturm, auf den alle Prominenten gelotst werden, frotzelte er seine chinesischen Gastgeber: „Wer als letzter oben ankommt, muß den Sowjets in Äthiopien den Weg verlegen ...“

Die Witzeleien verrieten. zweierlei. Erstens: Im chinesisch-amerikanischen Verhältnis gibt es keine Fortschritte zu verzeichnen, aber dies läßt sich durch die Bekundung gemeinsamer Abneigung gegen den Kreml trefflich verdecken. Zweitens: Das amerikanisch-sowjetische Verhältnis ist so schlecht wie lange nicht mehr. Die Gründe liegen auf der Hand: die fortgesetzte forderte Aufrüstung der Sowjets, dazu ihr Ausgreifen auf den afrikanischen Kontinent. State Department und Pentagon sehen dies freilich gelassener. Die Frage ist erlaubt, wie weit Brzezinski den Frost herbeigefrotzelt hat – oder wie weit das Frotzeln nur die Abkühlung zwischen Washington und Moskau verrät, die letzthin eher abrupt eingetreten ist. Beides böte der Welt Anlaß zur Sorge. Th. S.