Es ist zu vier Fünfteln rumänisch, zu einem Fünftel russisch, eines der ertragreichsten Fischgründe Europas und ein wichtiger Rohstofflieferant für die Papier- und Holzindustrie. Für Ornithologen aus aller Welt ist das Donau-Delta jedoch vor allem ein einziges, riesengroßes Vogelparadies.

Über 100 Millionen Tonnen Schlamm lagert die Donau jährlich ab und schiebt das Delta immer weiter ins Meer. Dieser kräftige Zustrom an Wasser bringt neben viel Sauerstoff auch reichlich Nahrung für Plankton, womit der Tisch für die Fischbrut reichlich gedeckt ist. Von den fast 65 Fischarten, die im Donau-Delta leben, sind die Karpfen, Schleif Hechte, Welse, Kaulbarsche, Bleie, Karauschen und Zobel, neben den „Kaviar-Fischen“ Stör, Hausen, Glatt- und Waxdick, Sternhausen und Sterlet am begehrtesten. Etwa 30 000 Kilo Kaviar werden so jährlich gewonnen.

Die 26 000 Einheimischen wohnen weit über das Sumpfgebiet verstreut. Es sind hauptsächlich Fischer, die zum russischen Volksstamm der Lipowener gehören. Einstmals vom Zaren verfolgt, fanden sie hier eine neue Heimat, leben in schilfgedeckten Hütten mit ein paar Kühen, Hühnern und Enten. Die Fanggründe der Fischer sind weit vom Dorf entfernt. Die Männer müssen mit ihren Netzen und Reusen in der Regel ein oder zwei Wochen draußen im Revier verbringen. Der Staat garantiert ihnen einen festen Preis für ihre Beute, mit der die Konservenfabriken in Tulcea versorgt werden.

Für Vogelkundler gibt es im Donau-Delta ein Lieblingsthema: den Pelikan. Das Gebiet besitzt schließlich die einzigen sicheren Brutplätze Europas. Zu der großen Pelikankolonie im Rosca-See führt weder Weg noch Steg. Nur die Fischer finden sich in dem verfilzten Schilf-Urwald zurecht, wo ein Teppich von Wasserpflanzen das Vorwärtskommen mit dem Boot sehr erschwert. Doch bald sieht man dann die ersten Pelikane in großer Höhe ohne Flügelschlag kreisen und auf die Kolonie niedergehen. Jeden Mittag kehren sie, vom, Fischen zu ihren Brutplätzen zurück. Der Geruch Von verwesenden Fischen und Exkrementen verrät schon von weitem den Standort. Zum Schutz dieses größten Sammelplatzes ist ein Wächter eingesetzt, der schon so manchen Gast mit Geschick an die Pelikane heranruderte. Der Fischkonsum der 2500 bis 3000 Paare wird übrigens auf gut 3 Millionen Kilo im Jahr geschätzt.

Die Salzwasserseen von Murighiol sind ornithologisch besonders interessant. Hier brüten nicht nur Säbelschnäbler und Stelzenläufer, sondern führen Graugans und Rothalstaucher ihre Jungen. Es ist auch der einzige Platz, wo die Dünnschnabelmöwen und die schwarzflügelige Brachschwalbe anzutreffen sind. Alle europäischen Reiherarten, Braune Sichler und viele Limikolen stehen in den Lagunen. In erstaunlicher Dichte reiht sich Horst an Horst. Über allem ertönt eine wahre Symphonie uriger Laute. An die übliche Methode, erst einmal eine solide und sorgfältig getarnte Ausgangsposition aufzubauen, um die Nester der Vögel zu photographieren, ist nicht zu denken. Es gibt kaum Plätze für feste Standorte. Gute Aufnahmen ohne komplizierte Tarnung (ein rasch über Kopf und Körper geworfenes leichtes Tarntuch und ein Klappstuhl reichen) gelingen nur am Rand der Reiherkolonien. Ein Problem sind dann nur noch die Mücken.

Im Donau-Delta liegen nicht nur die Ruheplätze der Zugvögel aus Europa, Asien und Afrika. In den Schilf-Urwäldern leben auch andere selten gewordene Tierarten wie Nerz, Mauswiesel und Hermelin noch in großer Zahl. Seit einigen Jahren trifft man auch Tierarten an, die früher dort nicht heimisch waren, so die eingewanderte Bisamratte und den Marderhund. Seltener lassen sich Wildkatzen und Wölfe sehen.

Der Naturschutzgedanke hat sich in den letzten Jahrzehnten im Delta stärker durchgesetzt. Reservate und Schongebiete sollen eingerichtet, einige Vogelarten unter Schutz gestellt werden. Außerdem will man die Schilfernte von November bis März befristen.