Von Peter Schröder

Zehn Kilometer lang und zwei Kilometer breit: eine verkarstete Kalksteintafel, in den Buchten hier und da ein winziges Stückchen Strand, kein Baum, kein Strauch, sengende Sonne am wolkenlosen Himmel und ein kräftiger Wind. Das ist Lampedusa, die südlichste Insel Italiens, 200 Kilometer von Sizilien und nur 140 Kilometer von Afrika entfernt. Das Bild der Landschaft erinnert kaum noch an Italien, und in der Tat: im geologischen Sinne gehört Lampedusa bereits zum Schwarzen Kontinent.

Das jugendliche Alter der Insel errät man nicht so leicht. Ablagerungen aus dem Jungtertiär, „nur“ ein paar Millionen Jahre alt, bilden den Untergrund. Doch das zernarbte Antlitz macht die Insel älter: Die Buchten sind tief eingeschnitten, die Küsten jäh und schroff. Die Verwitterung hat das Kalkgestein angegriffen und bizarre Formen entstehen lassen.

Lampedusa – ein klangvoller Name! Wer sich gelegentlich Literarisches zu Gemüte führt, weiß Bescheid. Doch Tomasi di Lampedusa, der Autor des „Leoparden“, hat die Insel nie gesehen.

Als ich die Insel auf der Karte „entdeckte“, war ich fasziniert. Doch viel war über Lampedusa nicht in Erfahrung zu bringen. Meine Neugier wurde größer, und bald stand es fest: Dorthin geht die nächste Reise.

Die Eisenbahn brachte mich nach Palermo. Von dort ging es im Direktflug über Trapani 280 Kilometer nach Süden. Lampedusa Aeroporto: Ein unerwartet gut ausgebauter Flughafen empfängt mich. Die Fluggäste werden von Angehörigen und Freunden mit südländischem Temperament begrüßt. Ein wenig verloren blicke ich herum, bis sich Emanuel vorstellt.

Emanuel hat ein Taxi und ist bereit, mich zu fahren. Das Taxi ist ein ziemlich verbeulter Ford Transit, doch ich bin zufrieden. Erleichtert stelle ich fest, daß Emanuel wie selbstverständlich nickt, als ich ihm sage, wohin ich will: Hotel, Albergo.