Der Griff in die Tasche des Gastes hat Tradition: Vor rund 400 Jahren heischten schon Karlsbad und Baden-Baden Kurtaxe von ihren Gästen. Diese – nach Meinung der meisten Urlauber – große Unsitte läßt sich nicht so schnell abschaffen. Einen Anfang gibt es immerhin: Das Ostseestädtchen Eckernförde verzichtete in diesem Jahr erstmalig auf die Erhebung von Kurtaxe.

Es sieht nicht danach aus, als ob das Eckernförder Beispiel allzu schnell Schule machen wird. Im Gegenteil. Vielerorts wurde der Kurtaxsatz für ’78 erneut erhöht. Meist nur um zwei, drei Groschen (pro Tag), bei größerem Nachholbedarf nach mehrjähriger Stabilität freilich auch um fünfzig Pfennig bis zu einer Mark.

Laut Gesetz dürfen die staatlich anerkannten Heilbäder, Kur- und Erholungsorte Kurtaxe erheben – und müssen sie zum Wohle des Gastes wieder, ausgeben. Also für Unterhaltungs- und Sportanlagen und -angebote, für Wanderwege und Rosenbeete, für öffentliche Toiletten und manches mehr. Je personalintensiver diese „Faszilitäten“ sind – Orchester oder Rettungsdienste an der See beispielsweise –, desto höher die Ausgaben, und entsprechend hoch ist auch die Kurtaxe, die oft längst nicht die Kosten deckt.

Angesichts der wachsenden Zahlungsunlust der kurtaxpflichtigen Urlauber müssen folgende Fragen überprüft werden: Sind all die erbrachten Leistungen für die Mehrzahl der Gäste notwendig oder von ihnen überhaupt erwünscht? Warum werden die am Fremdenverkehr verdienenen Betriebe und Personen nicht stärker zur Kasse gebeten?

Die erste Frage läßt sich nur nach gründlichen Gästebefragungen durch unabhängige Institute beantworten, die zweite ist bereits grundsätzlich geklärt. In den wichtigsten deutschen Bundes-Reiseländern kann der sogenannte Fremdenverkehrsbeitrag von den Gemeinden erhoben werden. Ihn haben diejenigen zu zahlen, denen der Fremdenverkehr nachweislich Mehrverdienst erbringt. Bei den bisherigen Beitragssätzen konnte aber auf die Kurtaxe nicht verzichtet werden.

In Österreich ist man allerdings weiter: Dort wird die Kurtaxe in Höhe von etwa 50 Pfennig in den Übernachtungspreis einkalkuliert und vom Vermieter abgeführt. Da diese Kurtaxeinnahmen meist zur Kostendeckung der angebotenen Fremdenverkehrsleistungen nicht ausreichen, müssen dann Verkehrsverein und Gemeinde für den Restbetrag geradestehen.

Mit vier Mark pro Tag (beispielsweise in Westerland/Sylt) ist hierzulande vermutlich die Kurtax-Schallgrenze erreicht, und die Kurdirektoren müßten Pläne entwickeln, wie sie der steigenden Preise Herr werden. Vielen Gästen wäre vermutlich die Regelung nicht unlieb, bei mittlerer Kurtaxhöhe für einzelne Leistungen extra zu zahlen: für das Kurkonzert, die geführte Wanderung, den Diavortrag, die Bastelstunde, das Kinderfest und so weiter: Überdies müßte der Fremdenverkehrsbeitrag der Betriebe erhöht werden.