Wir zerfallen in drei Teile: die einen werden bewacht, die anderen lassen sich bewachen, die Dritten sind die Zwischenschichten. Sie zahlen, damit die einen sich von den anderen bewachen lassen können. Allerdings müssen wir als Ausnahmen anerkennen, daß einige ihre Leibwächter aus eigener Tasche entlohnen, wobei sie diese Zahlung von der Steuer absetzen. So weit, so gut.

Je mehr Leute sich bewachen lassen müssen, desto stärker sinken die Zahlen der Arbeitslosigkeit. Auch zeichnet sich immer deutlicher ein neues Berufsbild ab. Denn weit entfernt sind wir heute von jenen klassischen Gestalten, die mit einer Laterne umhergingen und die nächtlichen Stunden ausriefen. Auch die Typen, die, von einem Schäferhund begleitet, nachts durch die Fabriken und Warenhäuser schlurften, gehören schon der Geschichte an. Und das Wort „du Nachtwächter“, mit dem ein Mensch bezeichnet wurde, der beim Lesen, beim Gehen, beim Essen und Trinken, ja sogar beim Schlafen schlafen konnte, ist so überholt wie nur möglich. An Nachtwächters Stelle haben Computer im Dienst der Polizei die Angewohnheit übernommen, schon wieder mal nicht aufzupassen.

Die menschlichen Wächter von heute sind Leistungsmenschen. Sie sind hochkarätig. Dabei spielt jedoch nicht nur Karate eine Rolle, sondern sie verstehen sich auf alle möglichen tragbaren Waffen, angefangen vom einfachen Schlagring bis zum weittragenden, fernrohrbestückten Präzisionsgewehr und zur heute schon in gefälligen Formen durchkonstruierten, handlichen MP. Wer mit solchen Instrumenten umzugehen weiß, verdient und erhält die Bezeichnung „Elite“ und wird unter Umständen auch im Ausland eingesetzt, selbst auf die Gefahr, daß Komplikationen entstehen.

Es ist anzunehmen, daß wir heute ebenso wie von Spionen auch von Leibwächtern umgeben sind, deren Anwesenheit wir nicht ahnen. So ist denn nicht nur Anekdote, sondern auch Wahrheit, was mir eine etwas romantische junge Dame anderen Tages erzählte. Sie hatte den Tag zuvor an einem Polterabend teilgenommen und den Blick auf einen großen, vierschrötigen Mann gerichtet, der mit träumerischen Augen in einer tiefen Fensternische stand (es handelte sich um ein altes deutsches Schloß).

Um Mitternacht von Übermut gepackt, eilte mein Gewährsfräulein zu diesem stillen Gast, der immer noch abseits stand. Sie wollte mit ihm tanzen. Da er sich entschuldigte, jedoch keinen Grund angab, umfaßte sie ihn kurzerhand und erschrak. „Verzeihen Sie“, stammelte der Mann und sagte etwas, was er gewiß nicht hätte sagen dürfen, und das auch noch auf niederländisch. Er sagte: „Das ist meine Dienstpistole.“ Das Fräulein hatte heißes Eisen angefaßt (was ohnehin ihrer Veranlagung entsprach), und erst nach einigem Nachdenken fiel ihr ein, den stillen Nischensteher mit einer königlichen Prinzessin in Verbindung zu bringen, die ebenfalls Gast beim Polterabend war.

Diese peinliche Eltdeckung lag weit, vor der Dregger-Affäre, so daß sie nicht auf die Idee kam, den Fall in Haag oder in Bonn anzuzeigen. (Es wird hier in Klammer darauf angespielt, daß der CDU-Politiker Dregger, der in Begleitung zweier deutscher Leibwächter durch Österreich fuhr, von einem Sozialdemokraten angezeigt wurde, worauf sich Bonn in Wien entschuldigen mußte. Ein diplomatischer Schritt, der vielleicht nicht hätte getan werden müssen, wären die Leibwächter sozialdemokratische Österreicher gewesen. Oder wie sehen wir das?)

Jedenfalls sahen wir soeben, daß die argentinische Generalsregierung die Bonner und Pariser Idee, die Fußballmannschaften durch Eliteschützer begleiten zu lassen, schrecklich übelgenommen hat. Verständlich, da diese Militärs Wert darauf legen, das Schießen im eigenen Lande selbst zu besorgen. Ebenso auch das Kinnhakenschlagen und das Bombenentschärfen, kurz alles, was mit dem Beruf des Eliteschützers zusammenhängt.

Und nun? Alle die nationalen Mannschaften der Welt ohne Nationalschutz? Wir werden ja sehen.