In Peru und Zaire stehen Milliarden-Kredite auf dem Spiel / Von jes Rau

Der Kampf um die Kupferminen in Zaire und die blutigen Unruhen in Peru haben manchem Banker schlaflose Nächte bereitet. Die Invasion der Rebellen in Zaires Provinz Shaba hat die wirtschaftliche Kraft des Landes weiter unterhöhlt. Dabei summieren sich die Schulden Zaires bei ausländischen Gläubigern bereits auf 2,5 Milliarden Dollar – knapp eine Milliarde davon durften Bankkredite sein. Der formale Bankrott ist bislang nur dadurch vermieden worden, daß die Gläubiger stillschweigend die Aussetzung des Schuldendienstes hingenommen haben. Die Postminister vieler Länder sind weniger rücksichtsvoll als die Banken. Da die Botschaften Zaires wegen der Finanzmisere des Landes häufig ihre Rechnungen nicht bezahlen können, wurden vielen Telex- und Telephonanschlüsse gekappt.

Ebenso düster ist es um die Finanzlage Perus bestellt. Der Andenstaat hat einen Schuldenberg von 4,4 Milliarden Dollar angehäuft. Etwa 1,3 Milliarden davon sind Bankschulden, die ausschließlich durch Garantien der Regierung in Lima gesichert sind. Dem „Anden Report“ zufolge, einem Informationsdienst aus Lima, sind deutsche Kreditinstitute daran mit 163 Millionen Mark beteiligt. In diesem Jahr muß Peru rund eine Milliarde Dollar für Zinsen und Tilgung aufbringen. Das sind 55 Prozent der in diesem Jahr erwarteten Exporteinnahmen. Wenn es eingegangene Zahlungsverpflichtungen erfüllt, müßte Peru im Jahre 1980 sogar siebzig Prozent seiner gesamten Exporterlöse an die internationalen Banken überweisen.

Die Schuldenlast aller Entwicklungsländer, die nicht der OPEC angehören, wird in diesem Jahr schätzungsweise auf 130 Milliarden Dollar steigen. Davon dürfte etwa ein Viertel Bankschulden mit Laufzeiten zwischen fünf und neun Jahren sein. Der Löwenanteil davon stammt aus den Kassen amerikanischer Banken. Die krisenhafte Finanzlage zahlreicher Entwicklungsländer veranlaßte die amerikanischen Bankaufsichtsbehörden daher, sogar Prestigeinstitute wie die New Yorker Citibank oder die Chase Manhattan Bank zeitweise auf ihre Liste der „Problembanken“ zu setzen, da sie besonders hohe Ausstände in der Dritten Welt haben.

Das massive Engagement der Geschäftsbanken ist seitdem immer wieder Anlaß für besorgte Kommentare in der amerikanischen Presse, in denen folgende Fragen aufgeworfen werden:

  • Führt die Zahlungsunfähigkeit eines Entwicklungslandes möglicherweise dazu, daß Bänken in den USA, Europa und Ostasien nach dem Muster der dreißiger Jahre nacheinander umfallen wie die Steine eines Dominospiels?
  • Hat der Zinshunger und mangelnde Kreditnachfrage in den Industrieländern dazu geführt; daß die Banken die Risiken von Darlehen an Entwicklungsländer auf die leichte Schulter nehmen?
  • Ist der Bankrott einiger Entwicklungsländer ohne eigene Energiequellen nach der Vervierfachung der Ölpreise durch die OPEC geradezu unvermeidlich?

Was die „Dominotheorie“ anbelangt, verweisen die Sprecher der Banken darauf, daß die Dominosteine in den dreißiger Jahren in erster Linie wegen der schrumpfenden und deshalb äußerst knappen internationalen Liquidität umgefallen sind. Heute aber ist die Geldmenge eher zu reichlich und wächst von Jahr zu Jahr. Das reduziert, nach Meinung der Banken die Gefahr, daß es zu einem regelrechten Bankrott eines Entwicklungslandes kommt.