„Die Geschichte von Emma Ententropf“ / „Die Geschichte von Benjamin Kaninchen“ / „Die Geschichte von Eichhörnchen Nusper“ von Beatrix Potter (Text und III.) Diogenes Ver, lag, Zürich, 60 S., pro Band 7,80 DM

Den ängstlich und gar zu einfältig auf Realismus bedachten pädagogischen Puristen zum Trotz hat einer der bedeutendsten Kinderbuch-Autoren der Gegenwart, Maurice Sendak, an den Tiergeschichten der Beatrix Potter vor allem ihre Poesie gerühmt. Ein so präziser Zeichner und Schreiber wie Sendak hat damit keineswegs den strapazierten und verblasenen Begriff verlegener Kinderbuch-Rezensenten gemeint, sondern die sichere Verknüpfung phantastischer und realistischer Erzählmomente, den selbstverständlichen Umgang mit Erfindung und Wirklichkeit im Malen. Zwar bleiben Beatrix Potters winzige Episoden einer Moral der Jahrhundertwende verpflichtet, sind aber zuallererst von exakter Beobachtung, großem zeichnerischen Können und sehr viel Humor geprägt. Ihre Bilder und Vignetten verraten ein gründliches Naturstudium und täglichen Umgang mit Tieren, den Beatrix Potter auf ihrem englischen Bauernhof praktizierte. Die Entwürfe zu Jemima Puddle-Duck, Benjamin Bunny oder Nutkin, dem Eichkätzchen, verquicken graphische Treffsicherheit mit Spaß am Fabulieren in hervorragenden kolorierten Miniaturen, die mit gutem Grund in der Tate Gallery, London, gezeigt werden. Vom Gesamt-Epos der Potter (etwa dreißig Tiergeschichten) sind bei Diogenes in erstklassiger Ausstattung und mit editorischer Sorgfalt herausgebracht, inzwischen neun Bändchen erschienen, die den Titel „Kinder-Klassiker“ Zu Recht tragen.

Ute Blaich