Jeder, der mich kennt, weiß, wie sehr ich darunter gelitten habe, im letzten Krieg seit 1943 als Marinerichter eingesetzt worden zu sein, nachdem ich zuvor mehr als drei Jahre als Matrose und später als Offizier gedient hatte. Alle Fälle, die ich als Untersuchungsführer oder als Richter zu bearbeiten hatte, haben mich bewegt. Ich bedauere zutiefst, daß ich in jener Zeit in der Funktion eines Justizbeamten auch mitzuwirken hatte an einem Todesurteil und der Vollstreckung dieses Todesurteils. Es gehört dies zu den Schrecken jenes Krieges, den niemand vergessen wird, der ihn miterleben mußte.

Ich habe darum gekämpft, daß mir das Schicksal erspart bleibt, Marinerichter zu werden, leider vergeblich. Ich weiß noch sehr gut, in welchen Gewissenskonflikt mich jene Kommandierung gestellt hat. Als alle Versuche, davon loszukommen, fehlgeschlagen waren, stand für mich fest, dieses Amt so zu führen, daß ich überall dort helfen wollte, wo irgendeine Aussicht auf Hilfe war und ich eine Eingriffsmöglichkeit hatte. So habe ich dieses Amt dann tatsächlich auch ausgeübt.

Belegt ist dies nicht nur durch die Fälle Möbius und Forstmeier. In vielen anderen Fällen habe ich Soldaten, die wegen Wehrkraftzersetzung angezeigt waren, durch Verschleppung des Verfahrens oder entsprechende Untersuchungen zu einem milden Urteil oder zur Niederschlagung des Verfahrens verholfen. Erst diese Woche hat im Staatsministerium ein früherer Matrose Schultheiss aus Crailsheim angerufen und berichtet, er habe wegen Wehrkraftzersetzung mit einer Todesstrafe rechnen müssen, sei dann aber auf Grund meiner Aktionen mit einem halben Jahr Gefängnis davongekommen.

Den Fall Möbius habe ich vom Herbst 1944 im Wege der Wiederaufnahme des Verfahrens bis zum Kriegsende verschleppt, wobei ich noch im März 1945 Möbius in Oslo vorführen ließ und ihm bedeutete, daß es meine Taktik sei, das Verfahren weiter zu verschleppen. Dieses hat Möbius noch vor seinem Tod eidesstattlich versichert. Im Falle Forstmeier ist es erst im März 1945 zu einem für ihn günstigen Urteil gekommen.

Immer dort, wo ich als Untersuchungsführer oder als Richter Einfluß auf das Verfahren nehmen konnte, habe ich mich bemüht, meine Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Im Falle Gröger gab’s solche Möglichkeiten nicht mehr, als ich mit dem Fall befaßt worden bin.

Ich hatte jetzt erst über das Wochenende Gelegenheit, die vollständigen Prozeßakten einzusehen. Aus den Untersuchungsakten wird gar? deutlich, daß mir keine Möglichkeiten zur Hilfe verblieben, nachdem mein Vorgänger bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft hatte, Gröger zu helfen.

Das erstinstanzliche Urteil gegen Gröger wir vom Gerichtsherrn am 17. Juni 1944 im Strafmaß aufgehoben worden mit der Weisung, auf Todesstrafe zu erkennen. Diese Weisung erging auf Grund eines Rechtsgutachtens eines Flottenrichters. Trotzdem, hat der Untersuchungsführer durch eine Verfügung vom 26. Juli 1944 versucht, noch alles herauszuholen, was für den Angeklagten herauszuholen war. Der Untersuchungsführer bekundet dort, daß er aus grundsätzlichen Erwägungen die Todesstrafe für angebracht halte, daß aber über die Persönlichkeit des Angeklagten restlos Klarheit geschaffen werden müsse, ehe eine neue Hauptverhandlung angesetzt werden könne. Der Angeklagte habe einen guten Eindruck gemacht und sei mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet worden.