Sadat hatte sich vorgenommen, kein Nasser zu wenden. Unter ihm, der die antiisraelische Mauer des Hasses mit dem Mut des Unerschrockenen durchbrach, sollte Ägypten ein arabisches Musterland der Demokratie werden. Erste Schritte in dieser Richtung trugen Sadat denn auch Hochachtung im Westen ein. Das ist seit Sadats „Radikalenerlaß“ gegen Kritiker seines Kurses vorbei. Sogar den prominenten Kommentator Heikal hat er quasi unter Hausarrest stellen lassen.

Sadat ist in Nöten. Seine Wirtschaftsliberalisierung erstickt in Korruption und Bürokratie. Die Friedensinitiative hat sich totgelaufen. Die Zahl seiner Feinde wächst. So hilft er sich mit Strafen und Verboten.

Noch droht keine neue Diktatur am Nil, noch ist Sadat kein zweiter Nasser. Doch regiert erst einmal der Staatsanwalt, wird unbequemen Journalisten der Maulkorb umgehängt, dann zerbricht, was zum Fundament einer Demokratie hatte werden sollen. D. St.