Von Hermann Bößenecker

Seine Mitbürger in der fränkischen „Kugellager-Stadt“ Schweinfurt nannten ihn respektvoll-spöttisch den „lieben Herrgott“. Seinen Erben legte er ans Herz, daß sie sich jeder Veränderung an seinem Lebenswerk so lange wie irgend möglich entgegenstemmen sollten. Und so ist er immer noch in seinem Unternehmen präsent, der im Januar 1975 mit 78 Jahren verstorbene Georg Schäfer, Seniorchef der Schweinfurter Firma Kugelfischer („FAG“) mit seinen zäh behaupteten Grundsätzen, seinem Patriarchalismus.

Doch auch bei diesem Familienunternehmen, das bisher als eine Art erratischer Block in der deutschen Industrielandschaft stand, wird es in den kommenden Jahren zu Veränderungen kommen müssen. Zu einem ersten Schritt hat man sich schon zu Beginn des Jahres entschlossen. Die Firmengruppe, die im In- und Ausland rund dreißigtausend Mitarbeiter beschäftigt, im vergangenen Jahr fast 1,9 Milliarden Mark umsetzte und dennoch bisher wie ein kleiner Krämerladen als „Offene Handelsgesellschaft“ geführt wurde, ist seit Jahresbeginn eine Kommanditgesellschaft. Die vier persönlich haftenden Gesellschafter – die beiden Söhne Georg Schäfers, der 50jährige Georg und der 32jährige Fritz, sowie sein Halbbruder Otto Schäfer (65) und dessen 40jähriger Sohn Otto – fungieren jetzt als Komplementäre. Der zweite Sohn des Verstorbenen, der Arzt Peter Schäfer, und seine Tochter sind Kommanditisten.

Gewiß ist mit der veränderten Rechtsform der Stammfirma („in Ausführung der damit abschließend geregelten testamentarischen Verfügungen“ des Verstorbenen) noch keine Änderung der Firmenverfassung verbunden. Im stillen Kämmerlein denkt Georg Schäfer junior jedoch intensiv darüber nach, welche Möglichkeiten sich für die Zukunft anbieten.

Die Neuordnung bei Flick vor einigen Monaten hat jedenfalls auch in Schweinfurt aufhorchen lassen: Eine Kommanditgesellschaft auf Aktien wäre, so Chef-Betriebswirt Wolfgang Masuch, auch für Kugelfischer ein „erwägens- und nachdenkenswertes Modell“, wenn man einmal den Weg zur Kapitalgesellschaft einschlagen sollte. „Wir sind flexibel“, bekräftigt Georg Schäfer. Aber ohne Not will man von der Kommanditgesellschaft nicht abgehen. Die Mitinhaber sind, obwohl sie die Frage der Gesellschaftsform „nicht zu einem Dogma erklärt haben“ (so Otto Schäfer junior), nach wie vor von den Vorzügen der Personengesellschaft überzeugt: Sie „ist unserem Führungsmodell am besten angepaßt“, sie gestatte es, „beinahe täglich elastisch zu reagieren und zu handeln“. Wegen dieser Möglichkeit der „unmittelbaren und hautnahen, jederzeit reaktionsfähigen Führung“ wollt man so lange wie möglich an der traditionellen Gesellschaftsform festhalten. Die Frage der ungeliebten Mitbestimmung, so wird versichert, spiele demgegenüber „nur eine untergeordnete Rolle“.

Die letzten beiden Jahre haben dieses schlichte Konzept offensichtlich bestätigt: Während die Konkurrenz, die benachbarte SKF Kugellagerfabrik, 1976, dem seit langem härtesten Jahr der deutschen Wälzlagerindustrie, mit ihrem Betriebsergebnis in die roten Zahlen schlitterte, wurde bei Kugelfischer blitzschnell gehandelt. Dem aus Respekt vor der Historie bisher keineswegs optimal organisierten Unternehmen wurde eine „Schlankheitskur“ (Otto Schäfer senior) verordnet, die vor allem auf eine Straffung im Wälzlagerbereich hinauslief. Das Geschäft zweier formal selbständiger Töchter (Jaeger in Wuppertal und Dürkopp in Bielefeld) wurden auf die Schweinfurter Mutter übertragen, die Produktion eines Werkes in Wetzlar ganz eingestellt.

Die Belegschaft wurde dabei notgedrungen um 1500 Personen abgebaut. Dank der Rationalisierungserfolge, die sich bald einstellten (allein in der Verwaltung werden jährlich zehn bis fünfzehn Millionen Mark eingespart), hat man das „schwerste Jahr in der Nachkriegsgeschichte unserer Firmengruppe“ erstaunlich gut überstanden.