Die Unterstützung der Zuckeranbau-Länder durch die EG ist teuer – und hilft niemandem

Ratu Sir Kamisese Mara, Premierminister der Fidschi-Inseln, hatte sich selbst auf den Weg nach Brüssel gemacht. Der persönliche Einsatz des Regierungschefs der fernen Tropeninsel galt einer Sache, die für die Einwohner des Archipels im Pazifik von lebenswichtiger Bedeutung ist: dem Zuckerpreis, den die Europäische Gemeinschaft (EG) jährlich den mit ihr über das Abkommen von Lomé verbundenen afrikanischen, karibischen und pazifischen Entwicklungsländern gewährt.

Ratu Sir Kamisese Mara war in der vergangenen Woche in der Absicht nach Brüssel gekommen, über diesen Preis mit der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zu verhandeln. Doch nach zwei Tagen vergeblicher Gespräche mußte er in sein sonniges aber warmes Inselreich mit der traurigen Erkenntnis zurückkehren, daß die EG über solche Preise nicht verhandelt, sondern sie – im Sinne des Wortes – nur gewährt.

Der Premierminister von Fidschi, dessen Land – wie auch Mauritius, Barbados, Guyina, Jamaika, Swaziland, Trinidad und Tobago – aus der Kolonialzeit das Erbe der als Monokultur errichteten Zuckerplantagen mit sich herumschleppt, ist der Wortführer der Gruppe der zuckerproduzierenden Länder im Rahmen der Konvention von Lomé, denen die Gemeinschaft im Zuge des britischen Beitritts die jährliche Abnahme von 1,3 Millionen Tonnen Zucker vertraglich garantiert hat. 1975 deckte die Garantie zwei Drittel der gesamten Zuckerernte der vierzehn Zuckerproduzenten des Lome-Vertrages ab. Die Abnahmepreise werden jährlich neu festgesetzt. Als "originalen Beitrag" der Europäischen Gemeinschaft zur Bewältigung der Probleme der Dritten Welt pries der Informationsdienst der EG-Kommission die im Zuckerprotokoll zum Lome-Abkommen gegebenen Zusagen.

Dies ist dieser Zuckerhandel in der Tat. Denn die 1,3 Millionen Tonnen werden in Europa kaum verbraucht, sondern postwendend auf dem Weltmarkt verscherbelt – mit Verlust, wie sich angesichts der im Vergleich zu den EG-Preisen niedrigeren Weltmarktpreise versteht. Waren 1975/76 noch 220 Millionen Mark für diesen originalen Entwicklungsbeitrag ausreichend, so mußte 1977/78 bereits eine Milliarde Mark dafür aufgewendet werden.

Der Grund für diese merkwürdige Zuckertransaktion ist die chronische Überschußproduktion in der Europäischen Gemeinschaft selbst. Von 1971 bis 1975 betrug die jährliche Durchschnittsernte der Rübenbauern im europäischen Neuner-Klub knapp über neun Millionen Tonnen. Mit dieser Produktion hätte sich über längere Zeit ein Marktgleichgewicht auf dem Gemeinsamen Markt einstellen können, wenn man schon damals die infolge des britischen Beitritts auf die EG zukommenden Abnahmeverpflichtungen gegenüber den Zuckerinseln des Commonwealth in die Rechnung einbezogen hätte. Doch EG-Europas Agrarminister ließen sich von der weltweiten Zuckerknappheit 1974/75 blenden und schalteten auf Produktionsausweitung durch Vergrößerung der Anbauflächen.