Die großen Verluste der Frisia zwingen zu harten Entscheidungen

Von Heinz-Günter Kemmer

Des Dramas fünfter – und möglicherweise letzter Akt – hat begonnen. Und zum ersten Male ist von Konkurs die Rede. Das Stück heißt Frisia, hat den Schweizer Genossenschaftsapostel Gottlieb Duttweiler zum geistigen Vater, spielt in Emden und löste Heiterkeit nur so lange aus, wie der Vorhang geschlossen blieb. Als er sich zum ersten Male hob, war das Ende der Tragödie schon vorprogrammiert.

Inzwischen versucht sich der Diplom-Volkswirt und Ehrendoktor Herbert Schnapka als fünfter Regisseur an dem Stück. Und der Mineralölhändler aus Bochum will zunächst einmal die Besetzungsliste kräftig zusammenstreichen – 170 von 255 Mitarbeitern droht die Entlassung.

Dabei hatte alles recht hoffnungsfroh begönnen. 1957 hatte Gottlieb Duttweiler, der Gründer der schweizerischen Migros-Genossenschaft, beschlossen, seine unter dem Namen „Migrol“ betriebenen Tankstellen durch den Bau einer Raffinerie künftig selbst zu versorgen. Er fürchtete damals um die Sicherheit seiner Versorgung, weil seine Migrol von den großen Mineralölkonzernen abhängig war, denen er auf dem Benzinmarkt mit Kampfpreisen beizukommen versuchte. Zum Standort erkor er sich Emden, als finanzielle Helfer in der Schlacht mit den Konzernen boten sich ihm deutsche Kleinaktionäre an, die die Hälfte des Kapitals von 50 Millionen Mark zu einem Kurs von 110 zeichneten.

Als die Raffinerie 1960 mit der Produktion begann, hatte sich der Markt gründlich verändert. An die Stelle der „Zonenpreise“ waren bei Benzin Marktpreise getreten, die Erlöse waren im Vergleich zu 1957 erheblich geschrumpft. Damals, zur Zeit der Zonenpreise, kostete Kraftstoff an allen Tankstellen innerhalb bestimmter Gebiete das gleiche Geld. Der Kampf um Marktanteile wurde mit dem Bau immer neuer Tankstellen ausgetragen.

Duttweiler konnte sich daher ausrechnen, daß er nur um ein paar Pfennige unter den Preisen der Markengesellschaften bleiben mußte, um seinen Markt zu finden und dennoch ein gutes Ergebnis zu erzielen. So entstand dann mit der auf den Namen Frisia getauften Raffinerie unter gleichem Namen ein Tankstellennetz, das in seiner Blütezeit etwa siebenhundert Stationen umfaßte.