Seit der telegene Kunta Kiste den Westafrikanern einen unverhofften Touristenzuzug aus Amerika bescherte (ZEIT Nr. 14/78), sehen auch die deutschen Ferienveranstalter nicht mehr so schwarz für diese Ecke Afrikas.

In den vergangenen Jahren blieben alle Versuche fruchtlos, an der Westküste eine ähnliche Urlaubsadresse zu gestalten wie an Kenias Gestaden im Osten. Zwei Gründe wurden für das Scheitern dieser Pläne angeführt: der Mangel an afrikanischem Wildgetier und die hohen Preise in den früher meist französischen Kolonien.

Wenn die Veranstalter heute mehr von dieser Region erhoffen, so nicht nur der Fernseh-Schwarzen wegen. Seit einiger Zeit zahlt sich für drei Unternehmen das Engagement aus: Kuoni in Zürich, Hetzel in Stuttgart und NUR in Frankfurt sind in den schwarzen Zahlen. Die Schweizer, bisher bereits in Gambia vertreten, haben im Winter 77/78 erstmals auch das benachbarte Senegal in den Katalog aufgenommen. Die Schwaben haben im letzten Winter ihre Gambia-Flüge im Zwei-Wochen-Turnus so gut verkauft (92 Prozent Auslastung), daß sie im kommenden Winter jede Woche nach Bathurst jetten wollen.

Neckermann ist dies recht, die Frankfurter werden sich an dieser verdoppelten Flugkapazität beteiligen und Gambia als neues Ziel anbieten. Zu diesem Zweck startet die Condor B 727 in Frankfurt und macht in Stuttgart einen Zwischenstopp. Neckermanns Einkäufer sind erst vor einigen Tagen aus Westafrika zurückgekommen, sie haben in Gambia ein Stadthotel und drei Häuser am Strand unter Vertrag. Sie hoffen, damit der TUI-Konkurrenz zumindest die Bettensuche erschwert zu haben: „Viel geeignete Unterkünfte gibt es da noch nicht.“ In der TUI-Zentrale in Hannover räumt man derweil nur Interesse an Gambia ein, genaueres soll erst zur Vorstellung der Winterprogramme gesagt werden. Daß sich die Interessen aller auf den „handtuchbreiten“ Staat Gambia konzentrieren, hat zwei Ursachen: In der einstigen britischen Kolonie spricht man Englisch und lebt man billiger als bei den frankophonen Nachbarn ringsum.

Daß man allerdings auch dort mit deutschen Urlaubern Gewinne verbuchen kann, beweist NUR mit seinem Ferienklub Aldiana im Senegal. Das einst mit 17 Millionen Mark gebaute Feriendorf schien eine Pleite zu werden; hätte sich in den ersten Jahren ein Käufer gefunden, wäre es längst kein NUR-Dorf mehr. Alle Pläne für weitere Klubs kamen auf Eis. Doch mangels Käufer ging es weiter im Senegal, heute reichen die 600 Aldiana-Plätze nicht mehr aus.

Pläne, sich außerhalb der Aldiana-Grenzen im Senegal zu etablieren, hat NUR jedoch aufgegeben: Die Attraktionen sind zu kärglich, verglichen mit Kenias Offerten. Allerdings führen die Gambia-Rundreisen auch in den Senegal, sie sollen – kombiniert mit Badeferien an Gambias Küste – eine Alternative zum oft ausgebuchten Klub bieten und sogar einige der Winterurlauber von den Kanaren hinüber aufs Festland locken.

Ein Argument der Westafrika-Werber ist dessen Vielfalt verschiedener Stämme und pittoresker Riten. Doch den Europäern scheint dies kein rechter Ersatz für Löwen und Elefanten zu sein. Diese Erfahrung mußte auch die Elfenbeinküste machen. Seither fördert sie nach Kräften ihren De La Comoe-Nationalpark. Er ist für alle Besucher geschlossen, um in Ruhe einen entsprechenden Wildtierbestand hochzupäppeln. Mit ihm, so hofft Abidjan, findet sich auch ein Weg in die deutschen Reisekataloge. K. V.