Im Gepäck des steckbrieflich gesuchten Terroristen Stefan Werner Wisniewski, der kurz vor Pfingsten in Paris verhaftet wurde, fand die Polizei neben anderem Material auch einen fünf Seiten langen Kassiber aus der Strafvollzugsanstalt Köln-Ossendorf. Verfasser war der Stockholmer Attentäter Karl-Heinz Dellwo (er wurde 1977 zu lebenslänglicher Haft verurteilt), der darin die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ kritisiert und den Terroristen im Untergrund Ratschläge für neue Aktionen erteilt. Hier einige originalgetreue Auszüge aus dem Schriftstück, das in der für die deutsche Stadtguerilla typischen subkulturellen Sprache, im RAF-Jargon, abgefaßt ist:

„es ist ein existenzielles Verhältnis zur politik, wenn wir sagen: aktionen der raf richten sich niemals gegen das volk. das war nie diese taktische aussage, zu der sie durch die lh (Lufthansa)-aktion gemacht worden ist. eine internationalistische Strategie gegen die brd als Statthalter des Imperialismus setzt nat. voraus, das wir in den Inhalten auch die mittel bestimmen weil wir es erst mal sind, die dazu in der läge sind, die politischen bedingungen hieraus zu bestimmen und so ist es offensichtlich nicht gelaufen, zeigt sich ja schon in der tatsache, dass von euch keiner bei dem raid (auf die „Landshut“) dabei war – und da steckt ja diese verdammte inkonsequenz drin die sagt, das ihr alles das alles gewußt und politik durch taktieren ersetzt habt, sonst ward ihr ja dabei gewesen weil es nat. auch immer um gemischte kommandos geht wenn dazu eine möglichkeit besteht.

mit mogadischu konnte Schmidt alle ausschalten, die sich um Schleyer bemüht haben, es ist naiv gewesen, der spd eine moralische Position zu unterstellen und darauf zu spekulieren, sie würde sich über die lh-aktion zu einer populistischen linie durchringen die ihre niederlagen kaschieren könnte, sie macht das nicht und das ist schon seit Stockholm klar – 10 tage vor den nrw-wahlen – dass das für sie kein rettungsanker ist. Schmidt war zu allem bereit, weil er richtigerweise davon ausgegangen ist, dass, besiegt er uns nicht mit seinen mitteln, seine partei schnell von der regierung weg ist. bei massakern hat er sich noch die chance ausgerechnet, dass er damit eine Zeitlang ruhe hat und in der sich international und national die spd wieder etwas sanieren kann, das kalkül, das ja insoweit nach Stockholm aufgegangen ist, als wie sie jahrelange ruhe hatten.

die spd wird immer alles tun um die zentralen machtfragen mit uns wenistens so zu entscheiden, dass es dabei keinen sieg auf unserer seite gibt, eine pattsituation wie es mal ein journalist nach mogadischu geschrieben hat. das konnte nach april 75 nur bedeuten, solche angriffe zu machen zur lösung dieser frage die für die guerilla entscheident war und ist: die Befreiung der gefangenen die für diesen Staat als beleg gelten, dass die guerillabewegung in der metropole besiegt werden kann – wenigstens militärisch – in denen zugleich die spd als regierungspartei offensiv liquidiert wird, d. h., sie zu kippen und aufzugeben, ihnen noch möglichkeiten unterzuschieben mit denen sie sich aus humanitären u. a. gründen noch retten kann.

das konnte nur bedeuten, über die wahl der objekte den offenen brach zwischen den beiden herrschaftsfraktionen hier zu provozieren und die union so unter druck zu setzen, dass sie Schmidt keine wahl gelassen hätte als nachzugeben weil es um leute gegangen wäre, auf die sie nie verzichten kann wenn sie jemals hier noch mal an die macht kommen will. Schleyer war da ja ein richtiges ziel, bei einer analyse der konkreten politischen sprangen und springen andere ins auge. aber das werdet ihr auch selber getickt haben.

wir wollen nun endlich raus aus diesen löchern und das sicher nicht nur, weil die bedingungen hier so brutal sind.

da der apparat sich über einen HS (Hungerstreik) nicht die offene politische dimension der Zusammenlegung aufzwingen läßt und für uns der fakt der Zusammenlegung aus egal was für gründen erst mal das wichtigste ist, gibt es noch die möglichkeit, die über sicherheitsinteressen durchzusetzen, also dass sie erfahren, dass ihre ganzen trakts und knäste in denen sie uns einzeln isolieren zum sicherheitsrisiko werden indem ihr dort über ein paar angriffe den gesamten Vollzug lahmlegt, also ein paar anschläge auf die knäste – allerdings ohne dass dabei blut fließt, ein möglichkeit ist, in einer nacht an 4–5 knästen ein paar löcher in die mauern zu sprengen in denen einzelne von uns liegen so daß es für die pigs zur notwendigkeit wird, uns nach sthm (Stammheim) zu bringen und dort zusammenzulegen, weil sie nicht alle knäste mit bullen umstellen können und weil natürlich jeder anschlag auf nen knast die meißten gefangenen viel renitenter werden läßt, wenn solche anschläge in der späten nacht gemacht werden, gibt es auch keine gefährdungsmomente für irgendwelche gefangenen ... und metall muß ja nicht, um die dinger sein – kann ja genau an die mauer gelegt werden, das dürfte auch schnell zu organisieren sein, wir möchten also, dass das nach möglichkeit gemacht wird weil es ja nicht nur um uns sondern auch um andere für später gilt die diese tortur nicht mitmachen müssen.