Die Kubaner haben sich in Afrika

Übernommen

Von Horst Bieber

Militärisch war die Invasion der sogenannten Katanga-Rebellen in die südzairische Provinz Shaba dank des Eingreifens von Franzosen und Belgiern ein Mißerfolg. Die politischen Folgen aber beginnen sich erst langsam abzuzeichnen. Sie allerdings wiegen für Havanna und Moskau schwerer als der erzwungene Rückzug einer von ihnen bewaffneten und ausgebildeten Truppe. Zum erstenmal sind die bisher immer siegreichen Kubaner indirekt geschlagen worden. Der sorgfältig gepflegte Nimbus des Erfolgs hat einen bösen Kratzer bekommen.

Zwar leugnen Kuba und die Sowjetunion, direkt oder indirekt in das Shaba-Abenteuer verwickelt gewesen zu sein. Castro erklärte es nachdrücklich dem Chef der amerikanischen Mini-Mission in Havanna; Moskaus Außenminister Gromyko beteuerte es am Wochenende mehrfach in New York und Washington. Doch der Wind hat aufgefrischt: Man glaubt ihnen nicht mehr, obschon überzeugende Beweise noch nicht vorliegen. Wie immer es wirklich um die Selbständigkeit der kubanischen Politik bestellt sein mag: Die Amerikaner, aber auch immer mehr Afrikaner sind von der Komplizenschaft Moskau -Havanna überzeugt.

Mehrere Niederlagen

Damit hat Fidel Castro gleich mehrere psychologische Niederlagen erlitten. Bislang galt, was der sambische Präsident Kaunda den Amerikanern sehr kühl und entschieden vorhielt: "Es gibt nicht einen einzigen kubanischen Soldaten in Afrika, der nicht eingeladen worden wäre." Kuba um Hilfe zu bitten, war für die meisten Afrikaner eine Gewähr, die Unterstützung einer zwar sozialistischen, aber blockfreien Nation zu gewinnen, die eben nicht die Interessen einer Supermacht vertrat.