Moderne Musik. Schlafen.

Rüdiger Abramczik, Fußball-Nationalspieler, auf die Frage nach seinen „Hobbys“

Schlingertinte

Präsidenten pflegen sich bei ungeliebten Staatsbesuchen! die rechte Hand zu verbinden: „Leider verstaucht.“ Der Vizepräsident des DDR-Schriftstellerverbandes Hermann Kant schreibt neuerdings mit bandagierter rechter Hand, um seinen ungeliebten Staats-Verein zu schützen: „Leider verreist“; anders läßt sich die Schlingertinte kaum erklären, mit der er im Neuen Deutschland per offenem Brief einem der renommiertesten amerikanischen Verleger antwortet. Roger Straus, Präsident des Verlages Farrar, Straus & Giroux, hatte – mit Durchschlägen unter anderem an Erich Honecker, das New Yorker DDR-Konsulat und den internationalen PEN-Club – dagegen protestiert, daß neben sechs anderen Autoren auch Christa Wolf (in Amerika bei Farrar, Straus verlegt) vom DDR-Schriftstellerkongreß ausgeschlossen wurde. Dieser publiken Peinlichkeit, übertroffen allenfalls durch die kühle Absage der beiden Schriftsteller Günter de Bruyn und Karl-Heinz Jakobs, sich zu einem solchermaßen selektierten Kongreß delegieren zu lassen, begegnet Kant mit „stiff upper lip“: Frau Wolf sei auf Reisen, und den Brief aus New York – den DIE ZEIT als erste Zeitung auszugsweise publizierte – habe er überhaupt nicht erhalten; was sein Mißtrauen gegen die Seriosität dieses Wochenblattes erhöhe. Wäre Kant imstande, Farcen zu schreiben, dann wäre dies eine: Weil die Kontrollinstanzen seines Staates offenbar so lange mitlesen, erreicht ihn Post nicht, nicht einmal über ein Konsulat. Das ist natürlich Weltniveau. Und daran sind schuld eine westliche Zeitung und ein amerikanischer Verleger, der ihn versehentlich mit „Dr.“ anredete; noch ein Zeichen kapitalistischer Unseriosität. Die Antwort auf sechzehn Zeilen aus New York nimmt eine halbe Seite des Neuen Deutschland ein – und sagt mit keinem einzigen Wort, warum etwa Günter Kunert nicht delegiert wurde, Franz Fühmann nicht teilnehmen mochte („Der Verband hält nicht viel von mir, und ich halte nicht viel von ihm: alles in Ordnung“, in DIE ZEIT Nr. 20), Stefan Heym zur Delegiertenkonferenz gar nicht erschien oder Christa Wolf eben eine Reise nach Stockholm vorzog. „Regiert wird dieser Verband von seinen gewählten Körperschaften; er wird demokratisch regiert...“, endet Kants Brief. Demokratisch ist: wenn keiner mehr kommt.

Neuer Direktor des Berliner Künstlerprogramms

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) berief Dr. Wieland Schmied als Nachfolger von Karl Ruhrberg zum Direktor des Berliner Künstlerprogramms und Leiter des Büros Berlin. Mit Schmied übernimmt eine innerhalb des zunehmend stromlinienförmig gewordenen Denkens im Kunstbetrieb auffallend unabhängige und international angesehene Persönlichkeit diese wichtige Aufgabe. Schmied begann als Lektor im Insel-Verlag und hat von 1963 bis 1973 als Direktor der Kestner-Gesellschaft in Hannover über zehn Jahre hinweg in großen, monographischen Ausstellungen international anerkannte wie auch unbekannte jüngere Künstler gezeigt, viele davon zum erstenmal in Deutschland von Peter Nestler etabliert wurde und unter Karl Ruhrberg kräftig expandierte, könnte mit Schmied in ein neues Stadium der Selbstbesinnung gelangen. Was will man, was kann man, wie erreicht man es? Schmieds erste Vorstellungen: „Das Berliner Künstlerprogramm darf nicht als Einbahnstraße begriffen werden. Es sollte nicht nur Künstler nach Berlin holen und hier arbeiten lassen, sondern sich auch zu einem Programm für Berliner Künstler entwickeln, die die Chance erhalten, Erfahrungen zu machen in den Zentren der modernen Welt. Berlin braucht diese Erfahrungen.“

Seltene Gäste

Vielleicht sind wir tatsächlich wieder wer – oder wir haben die Erinnerung nötiger als andere und das Beispiel; möglicherweise ist es nur eine Geste der Höflichkeit, oder es braucht jemand ein Zeichen anerkennender Bestätigung: Zwei seltene musikalische Gäste stehen ins Haus. Am 7. Juni wird – anläßlich des 30. Jahrestages der Gründung des Staates Israel – das Israel Philharmonie Orchestra das einzige Gastkonzert in Europa in der Bonner Beethovenhalle geben (mit Arturo Benedetti Michelangeli als ziemlich sicherem Solisten). Am 26. und 27. Juni dann in Dortmund wie am 1. Juli in Nürnberg wird Bob Dylan auftreten. Ob er noch der „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“ ist oder doch mehr der „erste Poet der Musikautomaten“ – wir werden hören und sehen.