Die Afrikaner selber sind uneins und schwach

Von Gabriele Venzky

Gendarmen, Geld und gute Worte; Das waren die Themen der Afrika-Konferenz in Paris Anfang dieser Woche, das werden die Themen der Afrika-Konferenz in Brüssel in der nächsten Woche sein. Die Invasion schwarzer Truppen aus dem benachbarten Angola in die zairische Kupferprovinz Shaba hat den Westen nervös gemacht, wenn auch noch immer nicht geklärt ist, in welchem Ausmaß der Kreml und seine Helfershelfer die Hände im Spiel hatten... Die Sorge vor der „Destabilisierung“ des schwarzen Kontinents hat zu harten Worten gegen Moskau und Havanna und zu hektischer Konferenztätigkeit geführt.

Doch nichts dergleichen in Afrika. Gewiß, Zaires Präsident Mobutu fürchtet um seinen Kopf; einige kleine westafrikanische Staaten sprechen von Gefährdung; und Senegals Präsident Senghor sieht bereits den Dritten Weltkrieg vor der Tür. Aber dem übrigen Afrika dämmert nur sehr langsam, daß das heiligste Prinzip der nachkolonialen Epoche bedroht ist: die eigene Unabhängigkeit.

Geld und Gendarmen

So sehen die Afrikaner tatenlos zu, wie der Kreml seine Afrika-Strategie ins Werk setzt und der Westen sich über Gegenmaßnahmen Gedanken macht. Das alte Klischee – „Afrika den Afrikanern“ – wird nur auf nicht-afrikanischem Boden wie ein neues Wunderheilmittel angepriesen: auf dem Nato-Gipfel in Washington, bei der Frankophonen-Konferenz mit Giscard d’Estaing, zuletzt wieder auf der Pariser Fünfer-Konferenz. Die Afrikaner selber fühlen sich wie nicht betroffen. Eine eigene Politik entwickeln sie nicht – es sei denn, Gereiztheit sei schon Politik. Sie fühlen sich ausgeschlossen. Sie reagieren empfindlich und bitter, weil sie argwöhnen, daß hinter der plötzlichen westlichen Einsatzbereitschaft weniger humanitäres denn wirtschaftliches oder gar machtpolitisches Interesse steht. Da sind sie rasch mit dem Vorwurf des „Neokolonialismus“ bei der Hand. Schlimmeres ist für Afrikaner nicht vorstellbar. Daß Russen und Kubaner auch nach den Ereignissen in Shaba in dieser Hinsicht immer noch als unverdächtig gelten, macht das Problem kaum einfacher.

Nicht, daß alle Afrikaner in einen Topf geworfen werden dürfen. Seit die Kubaner Agostinho Neto in Angola an die Macht verhalfen und der Kreml und seine Janitscharen sich in Äthiopien festgesetzt haben, bewegt die westlichgebildeten afrikanischen Intellektuellen das Thema „Machtvakuum“. Sie wissen, daß die Schwäche des Kontinents, seine ewigen schmutzigen Kleinkriege, das Resultat der gedankenlosen Grenzziehung durch die Kolonialmächte sind. Diese reizen heute zu ausländischer Intervention, denn überall, wo in Afrika im Augenblick gekämpft wird, spielen Stammesauseinandersetzungen eine entscheidende Rolle: in Shaba wie in Angola, in Eritrea, und im Tschad wie in der Westsahara. Selbst in den Befreiungsbewegungen von Namibia und Rhodesien geben mitunter die ethnischen Rivalitäten den Ausschlag, weniger die politischen Ziele.