2 Mark, 5 Mark, 10 Mark – so wird man Spieler

Von Esther Knorr-Anders

E. gibt Spielhöllen, Spielhöhlen und Spielhallen. Zum Aufenthalt in Spielhallen (mechanisch betriebene Spiele; Automaten) braucht man lediglich viel Kleingeld. Zum ungetrübten Verweilen in Spielhöhlen (meistens die Hinterstube obskurer Gaststätten; ein Keller im Hof) sollte der Besucher über einen achtunggebietenden körperlichen Gesamtzustand verfügen, darüber hinaus mit Faustkeil und Morgenstern unauffällig ausgestattet sein.

Zum Betreten bundesrepublikanischer Spielhöllen, die im offiziellen Sprachgebrauch „Spielbanken“ genannt werden, wie zum Beispiel Baden-Baden, Homburg, Neuenahr, Wiesbaden, Pyrmont und viele andere, benötigt der Gast einen gültigen Personalausweis oder Paß, einen unverdächtigen Gesichtsausdruck, exquisite, möglichst Abendkleidung und beste, keinen Augenblick außer Kontrolle geratende Manieren. Daß die Hölle ausschließlich so und nicht anders betreten werden darf, habe ich längst vermutet.

Damit das Gemüt der Bankinhaber durch das Lastergeld nicht unzumutbar belastet wird, sind sie verpflichtet, über 80 Prozent des Bruttoeinkommens, verteilt auf die Kommune, das Land und den Bund, abzuführen. Kommune, Land und Bund, ebenso raffgierig wie gewissensunheikel, stecken das Geld ein, ohne zu fragen, ob es von dort, wo es herkommt, herkommen dürfte, denn die Zwielichtigkeit aller Hasardspiele ist nicht gänzlich unbekannt. Der überwiegende Teil des Geldes soll daher, vielleicht als eine Art Lasterabschlag, sozialen Einrichtungen zugute kommen; doch könnten damit auch Ausstattungsarbeiten in und an Behördenhäusern sowie der Ankauf von Tulpenzwiebeln für den Stadtverschönerungsbeauftragten gemeint sein.

„Carré.“ „Cheval.“ „Six numbers across.“ „Red or black?“ „Manque.“

Wie verlängerte Finger, unglaublich schnell, fahren die langstieligen Rechen der drei an diesem Tisch arbeitenden Croupiers über den Samt und trennen die verlorenen von den gewonnenen Jetons. Neuer Einsatz. Neues Spiel. Die Dame am unteren Ende des Tisches zögert. Sie kann sich nicht entscheiden. Die Croupiers warten. Der vierte Croupier, der auf einem besonderen Stuhl und etwas erhöht sitzt (er übt die Tischaufsicht aus), wartet auch. Es warten die Spieler.