Von Petra-Monika Jander

Vahap Durgun ist ein vorsichtiger Mann. Mit seinem Vorarbeiter wettete der 37jährige Türke um einen Kasten Bier – für den Fall seiner Niederlage im Betriebsratswahlkampf 1978 bei der Adam Opel AG in Bochum. Doch der Rückversicherungspakt war unnötig. Mit 345 Stimmen – gerade drei mehr als erforderlich – gelang dem Inspekteur in der Achsenfertigung auf Anhieb der Sprung in den Bürosessel als freigestellter Betriebsrat. Als Sprungbrett diente dem IG-Metall-Mitglied Durgun aber nicht die Wahlliste seiner Organisation. Es gründete vielmehr eine eigene „Türkische Liste“. Einziger Kandidat: Vahap Durgun.

Der Alleingang des Türken aus Castrop-Rauxel ist der spektakulärste, aber nicht der einzige Angriff auf die Front der Einheitsgewerkschaft IG Metall (IGM) bei den diesjährigen Betriebsratswahlen. Die 19 000 Opelmitarbeiter in Bochum hatten diesmal die Qual der Wahl, ihre Vertreter im Betriebsrat aus nicht weniger als neun Listen heraussuchen zu müssen. In die Zange genommen wurde der etablierte Betriebsrat dabei gleich von drei Seiten – und von Vahap Durgun.

Schon seit 1972 müssen sich die Bochumer IGM-Betriebsräte mit einer sogenannten „Gruppe oppositioneller Gewerkschafter“ (GoG) herumschlagen. Die betriebsintern „Chaoten“ genannten Klassenkämpfer der GoG sicherten sich den Ruf, sich „für die Belegschaft die Hacken abzurennen“ – und zwölf Sitze im alten Betriebsrat.

Dissidenten und Splittergruppen

Neu hinzugekommen ist nun die „Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Opelarbeiter“, die ihre Betriebsgruppe ARSO gegen die Chaoten mobilisierte. Seit den Bundestagswahlen von 1976 hat die SPD ihre Stützpunkte in den Betrieben des Ruhrgebiets wieder reaktiviert, nachdem sie nach ihrer Gründung 1950 bald in Vergessenheit geraten waren. Vor allem unter den gewerkschaftlichen Vertrauensleuten gelang es der ARSO seitdem, eine solide Mehrheit auszubauen und auf diesem Wege die Politik der „Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen“ (AfA) in den IG-Metall-Gremien vor Ort auch institutionell zu verankern. Allerdings haben auch die Sozialdemokraten bei Opel ihre Dissidenten. Das führte dazu, daß eine Splittergruppe der ARSO schließlich eine eigene „Basis-Liste“ vorlegte.

Die Versuche der Sozialdemokraten, die Vertrauensleute der IG Metall auf ihren Kurs zu bringen, rief eine dritte Gruppe auf den Plan, die bisher peinlichst auf Aktionseinheit mit der IG Metall geachtet hatte: die Christlich-Demokratischen Arbeitnehmer (CDA) in der CDU.