Die Produktion eines neuen Kampfjägers würde ein halbes Volkseinkommen kosten

Nicht nur die Manager der US-Konzerne Douglas-McDonall, Northrope und General Dynamics spitzten die Ohren, als der Senat in Washington der Lieferung von Kampfflugzeugen im Wert von insgesamt fünf Milliarden Dollar an Israel, Saudi-Arabien und Ägypten zustimmte. Auch bei Israel Air Idustry (IAI) wurde die Debatte mit Spannung verfolgt, denn mit diesem Beschluß könnte das Schicksal eines neuen Düsenjägers besiegelt sein, an dem die IAI-Ingenieure seit langem tüfteln.

Seit zwei Jahren wird in den Regierungsbüros und Parlamentsausschüssen in Jerusalem darüber debattiert, ob IAI, der größte. Industriekomplex des Landes, die Genehmigung zum Bau eines neuen Kampfflugzeuges erhalten soll. Es handelt sich um einen Düsenjäger, der Ende der achtziger Jahre in Dienst gestellt werden soll. Der „Arieh“ (Löwe) soll der amerikanischen F-16 in Manövrierfähigkeit, Bewaffnung und Elektronik überlegen sein und dennoch weniger kosten.

Bisher argumentierten Politiker, wie der frühere Ministerpräsident Rabin, man solle sich weiter auf die Belieferung durch die Amerikaner verlassen und nicht Milliarden für die Entwicklung eigener Kampfflugzeuge zum Fenster hinauswerfen, die den US-Modellen bestenfalls geringfügig überlegen seien. Dies sei wie die Anschaffung eines neuen Wagens mit der Begründung, die Hupe und der Aschenbecher seien eleganter gestaltet.

Doch die jüngste Entscheidung in Washington roch vielen Israelis zu sehr nach Öl. Niemand glaubt daran, daß der Einfluß der Ölscheichs in absehbarer Zukunft in Washington abnehmen wird. Heute bedeutet er mehr Flugzeuge für die Araber und morgen könnte er auch weniger Flugzeuge für Israel bedeuten. Die Erinnerungen an das amerikanische Waffenembargo von 1948 bis 1965 und das von de Gaulle 1967 drei Tage vor Ausbruch des Krieges verfügte Verbot, Rüstungsgüter nach Israel zu liefern, sind in Israel noch viel zu lebendig, um solche Möglichkeiten zu übersehen.

Erschreckend sind auf der anderen Seite aber auch die finanziellen Folgen eines Alleinganges. Der von der IAI zur Zeit produzierte Kampfjäger „Kfir“ kostete zunächst 4,5 Millionen Dollar pro Stück, heute dagegen schon 5,5 Millionen. Vielen Israelis erscheint auch diese Zahl noch verdächtig niedrig im Vergleich zum Preis der von Douglas-McDonell produzierten Phantom, die etwa die gleichen Leistungen wie der „Kfir“ vorzuweisen hat,

„Nichts Verdächtiges dran“, behauptet Professor Moshe Arens, Vorsitzender des Sicherheitsausschusses des israelischen Parlaments und ein früherer IAI-Manager. Siebzig Prozent der Herstellungskosten eines Kampfjägers seien Löhne, und israelische Ingenieure und Mechaniker verdienten nun einmal um zwei Drittel weniger als ihre Kollegen in den USA. Dies werde auch für die geplante „Arieh“ und ihre zukünftigen amerikanischen Konkurrenzmodelle gelten.