Von Gerhard Seehase

Da steht er nun breitbeinig auf den Planken seines Kutters, nimmt mit einem scharfen Messer den frisch gefangenen Dorsch aus und verschwendet keinen Blick an die kamerabewaffneten Touristen, die ihn vom Kai her aufs Korn nehmen. Vielleicht, daß er deutlicher geworden wäre, hätte einer gewagt, ihn etwa um ein; freundliches Lächeln zu bitten.

Man vergißt so leicht, wenn man von Land her kommt, daß Kutterfischerei nichts mit Romantik zu tun hat. Und in Maasholm, auf der abgelegenen Halbinsel an der Schleimündung, wird der Fremde auf Schritt und Tritt mit der harten Arbeitswelt der Kutterfischer konfrontiert. Er braucht nur die paar Schritte von der blitzblanken Hauptstraße hinab zum Hafen zu gehen, wo die Kutter ihren Liegeplatz haben und wo die Fischer ihren „Brotfisch“ – den Dorsch, den Hering, den Butt – noch an Bord ausnehmen.

Wer Fischgeruch, nicht mag, der sollte tunlichst den Kutterhafen meiden. Für die anderen, die weg vom gebügelten Tourismus die rauhe Luft eines in seiner Ursprünglichkeit noch weitgehend unverfälschten Landstriches mögen, für die darf Maasholm, an der Nordost-Ecke Schleswig-Holsteins, ohne Gewissensbisse als „Geheimtip“ empfohlen werden.

Es gibt für Autofahrer nur einen Weg nach Maasholm, und der führt, wenn man von der Nordstraße (B 99) bei Kieholm abbiegt, über eine enge Dammstraße, auf der der Gegenverkehr nur mit einigem guten Willen der Verkehrsteilnehmer reibungslos verläuft. Aber der Blick auf das Fischerdorf entschädigt schon frühzeitig für die paar unbequemen hundert Meter, die einer hat, sollte ihm auf dem Damm ein Autobus entgegenkommen, ohne daß er sich rechtzeitig in eine der offiziellen Wartelücken gequetscht hätte.

Der langgestreckte Ort scheint, auf den ersten Blick, auf dem Wasser zu schwimmen; tatsächlich liegt der Ortsrand nur 2,50 Meter über Normalnull. Die Häuser sind niedrig, als würden sie sich gegen den Wind ducken.

Und dann die Hauptstraße – bitte das Auto verlassen! –, die zum Hafen hinunterführt. Keine touristischen Kinkerlitzchen, mit denen man zwischen den niedrigen Häusern um den Fremden wirbt: zwei Bäcker, zwei Kaufläden, vier Gasthäuser – kein Hotel. Wer oben, am Anfang der Straße, etwa noch das Gaspedal-Empfinden im Fuß verspürt, kommt unten, am Hafen, gemächlichen Schrittes an. Die stehengebliebene Zeit, ablesbar von den Wänden der kleinen Häuser, hinterläßt ihre Spuren – auch bei dem Fremden.