L’enracinement – die Einwurzelung fordert Hans Maier bayerische Kultusminister. Dies ist, ganz ohne Ironie, ein schönes Wort, das eine der großen Sehnsüchte des Menschen benennt, vielleicht die größte des modernen Menschen überhaupt, Nur, wo sollen die Bindungslosen sich einwurzeln, und was bedeutet das? Funktionieren in einer technisierten Gesellschaft, in der die Person genauso unwichtig wird wie bei den Terroristen, in der, um noch einmal den Soziologen Schmidtchen zu zitieren, "moralische Handlungskriterien weitgehend durch Effektivitätskriterien ersetzt" werden?

Nein, im Terrorismus wird nicht die ganz andere Gesellschaft, sondern die Fratze unserer eigenen Gesellschaft sichtbar. Ändern sollen sich diejenigen, die aus dieser Gesellschaft ausgebrochen sind, die sie nach ihren Vorstellungen revolutionieren wollen – jawohl. Aber sind es wirklich nur sie, die sich ändern müssen? "Hätte ich die Dimension Liebe für mich vorher richtig abgecheckt, hätte ich es nicht gemacht", schrieb Bommi Baumann. In diesem Versäumnis ist er nicht allein.

Die Bilanz? Sie bleibt immer noch unbefriedigend. Es gibt keine einfache Erklärung des Terrorismus, keine simple Schuldzuweisung, kein eindeutiges Handlungsmuster für die politische Auseinandersetzung, keine sichere Methode der Prävention. Dies hängt damit zusammen, daß der Terrorismus wie ein Chamäleon ist, er nimmt die Farbe des Zeitgeistes an, wie Laqueur sagt, ja, er nutzt die aktuelle Mode.