Eine von vielen Bildergeschichten in Jugendmagazinen: „An einem Samstag in der Diskothek.“ Ein neues Mädchen erscheint („Irre Frau!“), ein junger Mann möchte bei ihr landen. Er muß sich Mut machen und „noch einen kippen – dann is se reif“. Doch er bekommt eine Abfuhr: „Mit so ner vollen Flasche tanz ich nicht!“ Nächsten Samstag versucht er es noch einmal, ohne Zielwasser. Und landet. Schlußszene: Die Schöne lädt ihn zu „nem kühlen Blonden“ ein worauf er sich schwört: „Aber nie wieder über den Durst.“

Das Ganze ist (worauf in winzigen Lettern am Ende hingewiesen wird) eine „Initiative des Deutschen Brauerbundes e. V. gegen den Alkoholmißbrauch durch Jugendliche“ und (in ebenfalls winziger Schrift) als Anzeige gekennzeichnet. Das wird vielen der jugendlichen Leser aber wohl kaum auffallen. Der zweite Verstoß gegen geltende Regeln ist noch eindeutiger: Vor genau zwei Jahren gab es die frohe Nachricht, daß die einschlägigen Unternehmen, Werbetreibenden und Verbände „Verhaltsregeln über die Werbung für alkoholische Getränke“ verabschiedet haben. Danach soll Werbung keine „trinkenden Jugendlichen darstellen oder Jugendliche zum Trinken auffordern“. Die Regeln, so hieß es weiter, „gelten für alle alkoholischen Getränke wie Bier, Sekt, Spirituosen und Wein“.

Dem Deutschen Brauerbund ist in dieser Anzeige neben dem Verstoß gegen das Verbot der Werbung mit Jugendlichen obendrein auch noch ein schönes Stückchen vergleichender Werbung gelungen. Denn zum Mutmachen dient am Anfang der Bilderstory ziemlich eindeutig ein hochprozentiges Getränk. Beim Happy-End hingegen ist es – gut sichtbar ein Glas Bier.

Daß die Alkoholwirtschaft sich Sorgen umden zunehmenden Alkoholmißbrauch unter Jugendlichen macht, möchte man gern glauben. Doch ob die Bierbrauer mit dieser Anzeige sich selbst und der Alkoholbranche einen Gefallen getan haben – das möchte man bezweifeln. gf