Der wachsende Bedarf an Organspendern soll in der Bundesrepublik mit Hilfe des neuen Transplantationsgesetzes – also mit einer rechtlichen Regelung – gedeckt werden. Dagegen beschäftigt sich in den USA die Marktforschung mit dem ungünstigen Verhältnis von Organangebot und -nachfrage. Ein Team von Wirtschaftswissenschaftlern aus verschiedenen US-Universitäten untersuchte unlängst mit Hilfe einer Fragebogenaktion die Bereitschaft, Körperteile zu spenden. Sie fanden heraus, daß diese Bereitschaft mit dem Einkommen und dem Bildungsstand steigt, daß sie in der Altersgruppe der 30- bis 49jährigen am höchsten ist und daß Frauen opferbereiter als Männer sind. Zielgruppe möglicher Werbekampagnen müßten also Frauen mittleren Jahrgangs mit einem jährlichen Einkommen von mehr als 10 000 Dollar sein. Ansonsten scheint Geld auf diesem Markt keine oder eher eine negative Rolle zu spielen: Etwa ein Drittel der Befragten würde sich auch bei einer Vergütung ihrer Spende nicht anders entscheiden als jetzt, mehr als die Hälfte wäre jedoch weniger bereit, etwa Augen, Blut, Haut, Knochenmark oder andere Körperteile zu spenden, wenn sie dafür einen „anständigen Preis“ bekäme. Organspenden als Akt der Nächstenliebe? Anders sieht es aus, wenn es „einem an die Nieren geht“: In diesem Fall wären 30 Prozent mehr Befragte spendenwillig, wenn das teure Organ ordentlich bezahlt würde.

Die Rehabilitation körperlich und geistig Behinderter scheitert oft an den Vorurteilen und der ablehnenden Einstellung gesunder Erwachsener. Professor Nancy Weinberg von der University of Illinois in Champaign, USA, konnte nun in zwei Untersuchungen an insgesamt 165 Kindern nachweisen, daß sich die Ablehnung zumindest körperlich Behinderter bereits im Vorschulalter bildet. Dreijährige, die das Photo eines im Rollstuhl sitzenden Kindes vorgelegt bekamen, zeigten noch keine negative Haltung. Sie wollten ebenso gern mit ihm spielen wie mit dem nichtbehinderten Kind auf einem anderen Photo – allerdings fehlte ihnen zum größten Teil auch das Verständnis für die Behinderung als solche. Nur etwa jedes fünfte Kind dieser Altersgruppe konnte den Rollstuhl benennen und angeben, warum das Kind ihn benutzen muß (weil es seine Beine nicht gebrauchen kann). Von den Vierjährigen verstanden dagegen bereits mehr als 60 Prozent und von den Fünfjährigen 80 Prozent, daß das Kind behindert war. Gleichzeitig wollten diese älteren Kinder aber auch lieber mit dem nichtbehinderten Kind spielen. Pädagogische Bemühungen zur Bekämpfung ablehnender Einstellungen gegenüber körperlich Behinderten könnten demnach besonders wirkungsvoll sein, wenn sie im Kindergarten- und Vorschulalter von vier bis fünf Jahren einsetzten.