Unter den vielen Pflanzenmalern des achtzehnten Jahrhunderts ist Georg Dionys Ehret (1708–1770) einer der bedeutendsten. Der gebürtige Heidelberger, der früh den Vater verlor, in der Obhut eines lieblosen Onkels zum Gärtner ausgebildet worden ist und zunächst am Karlsruher Hofgarten gearbeitet hatte, fiel sehr bald durch ungewöhnliche künstlerische Begabung auf. Während einer Reise, die das kaiserliche Wien zum Ziele hatte, unterbrach er in Regensburg, wo er mit dem Apotheker Johann Wilhelm Weinmann zusammentraf und von ihm den Auftrag erhielt, das zur Edition der „Phytanthoza Iconographia“, eines von 1735–1737 herausgegebenen vierbändigen Werkes mit mehr als eintausend Kupfertafeln, vorbereitete Herbarium zu zeichnen und zu malen. Nun begann sich die Fachwelt für seine Arbeit zu interessieren. Obwohl ihn der begüterte Arzt und Naturforscher Christoph Jacob Trew in Nürnberg als Illustrator seiner Tafelwerke, des „Hortus nitidissimus“ (1750–1786) und der „Plantae selectae“ (1750 bis 1792) gewann, lockten den jungen Künstler die wissenschaftlichen Zentren in Leiden, Paris und London. Entscheidend für die weitere Entwicklung Ehrets war die durch den Amsterdamer Bankier George Clifford zustande gekommene Begegnung mit dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné, der damals nach seinen Studien in Leiden an einem Katalog des Privatgartens seines Gönners, arbeitete. Dieser 1737 erschienene „Hortus Cliffortianus“ war nach den Prinzipien des zwei Jahre zuvor von Carl von Linné veröffentlichten Natursystems aufgebaut und von Ehret illustriert worden. Durch die Verbindung mit dem neuen systematischen Konzept, dem Sexualsystem der Pflanzen, „wurde Ehret gewissermaßen der erste Illustrator des limbischen Zeitalters“, wie Claus Nissen es formulierte, „der erste, dessen Bilder nicht umgetauft zu werden brauchten; sondern mit der hinfort allein gültigen binären Nomenklatur ausgeben wurden.“ – Leben und Werk dieses ungewöhnlichen Mannes, der sich innerhalb weniger Jahre vom Gärtner und genialen Künstler zum Wissenschaftler emanzipierte, liegt in einer englischen Untersuchung vor: Gerta Calmann „Ehret – Flower Painter Extraordinary“; Phaidon Press Ltd., Oxford 1977; 140 S., 95 teils mehrfarb. Abb., 16.00 £ (80 DM.) Da sich Ehret seit 1737 für immer in London niedergelassen und zusammen mit. anderen deutschstämmigen Malern die englischen Buchillustration wesentlich beeinflußt hat, ist es nicht verwunderlich, daß dieses Buch unter Verwendung des reichlich vorhandenen Quellenmaterials in England geschrieben worden ist. Die Verfasserin hat daneben aber auch die kontinentalen Bestände gründlich, ausgewertet, Ehrets eigene wissenschaftlichen Pläne verfolgt, seine Mitarbeit an. der Herausgabe großer Tafelwerke, wie beispielsweise Patrick Browne’s „Civil and natural history of Jamaica (1756) und Alexander Russells „Natural history of Aleppo“ (1756) analysiert und zahlreiche Originale erstmals zur Veröffentlichung gebracht. Armin Geus