Das „beste System“ für Videokassettenrecorder gibt es noch nicht

Von Rainer Bücken

Vor acht Jahren wurde der erste Videokassettenrecorder in der Bundesrepublik vorgeführt. Doch bis heute scheint die Konfusion um die Audiovision eher zugenommen zu haben – Zeit also, eine technische Zwischenbilanz zu ziehen, nachdem Gunhild Freese bereits am 12. Mai im Wirtschaftsteil der ZEIT den Video-Markt untersuchte.

Obwohl sich die Systeme vom Prinzip her kaum unterscheiden, ist es für den Konsumenten nicht ganz einfach, die Wirkungen der kleinen Unterschiede zu erkennen – er muß sich mit einem wahren Techniker-Latein herumschlagen: da wird vom „U-“ oder „M-Loading-Verfahren“ gesprochen, vom „Azimuth High Density-“ oder „DL-FM“-System, von Sandwich-Bauweise und ähnlichem.

Die Hersteller und Händler setzen einfach voraus, der Konsument habe das Prinzip der Videoaufzeichnung kapiert – anders ist jedenfalls der saloppe Gebrauch von Begriffen wie Bandgeschwindigkeit sowie Abtast- oder Schreibgeschwindigkeit nicht zu verstehen.

Die neuen Videogeräte arbeiten immer noch mit einem relativ alten technischen Trick: Da das aufzuzeichnende Fernsehsignal ein rund 200 bis 300mal größeres Frequenzspektrum als ein reines Tonsignal besitzt, führen die Konstrukteure das Magnetband schräg an zwei schnell rotierenden Videoköpfen vorbei. In der Regel läuft das Band mit langsamer Geschwindigkeit (der Bandgeschwindigkeit) an dem mit 25 Umdrehungen pro Sekunde rotierenden Kopfpaar vorbei. Der Durchmesser der Videokopf-Trommel bestimmt die Umfangsgeschwindigkeit, die wiederum die Schreibgeschwindigkeit entscheidend beeinflußt. Je höher aber die Schreibgeschwindigkeit ist, desto höher liegt – bei gleichem Kopfspalt – die mögliche Aufnahme-und Wiedergabequalität. Die Spaltgröße der Videoköpfe sowie die Eigenschaften des Magnetbandes sind weitere entscheidende technische Größen.

In den letzten Jahren wurde die Entwicklung der Magnetaufzeichnungstechnik weltweit vorangetrieben, und in ein bis zwei Jahren dürfen wohl neue Ergebnisse vorliegen. Das hohe Entwicklungstempo schuf neuere und leistungsfähigere Aufzeichnungsgeräte – und damit allerdings auch neue Probleme.