"Keine Perlenkette von Meisterwerken", sondern einen authentischen Überblick über die Entwicklung der Berliner Skulptur von Schadow bis heute wollte Helmut Börsch Supan an historischem Ort, im Charlottenburger Schloß, zusammenstellen. Dieses umfangreiche Solo auf die Skulptur (bestückt mit rund 144 Exponaten, auf Sockel oder in Vitrinen, placiert) sollte sich außerdem einem Thema beugen, nämlich, das "Menschenbild", wie es sich über zwei Jahrhunderte in der Bildhauerkunst der Berliner widerspiegelt, dokumentieren. Dieses sicher engagierte Unternehmen erlitt durch zwei vorhersehbare Handikaps allerdings empfindliche Einbußen. Denn die Plastik des 18 und 19. Jahrhunderts wurde bekanntlich als monumentales Werk für die Stadt, für den öffentlichen Raum, wie man heute sagen würde, konzipiert, das Nippesformat, das in dieser Retrospektive vorherrscht, war allenfalls Nebenprodukt, das auf Wunsch des Bildungsbürgertums in Mode kam. Die Hauptwerke der großen Meister erscheinen hier also leider im Kleinformat und das hatte nicht nur pragmatisch profane Transportgründe, sondern auch historische, politische. Die Mehrzahl der berühmten Skulpturen die der Berliner Bildhauerkunst mit Namen wie Gilly, Schadow, Rauch, aber auch Wichmann, Drake, Begas oder Tuaillon Ruhm und Renommee einbrachten, wurden in den Kriegen zerstört. Einzelstücke blieben vornehmlich irn anderen Teil der Stadt erhalten, so daß die Veranstalter zu Recht zu einem Ausflug dorthin aufrufen, um die Intention der Ausstellung zu komplettieren. Ebenso wichtig deshalb auch der Hinweis auf die wenigen noch verbliebenen Großskulpturen aus der Zeit in Westberlin. Das zweite Manko aber der Ausstellung ergibt sich aus der falschen Zielsetzung. Bei allem Lokalpatriotismus, den die Rezensentin mit dem Ausstellungsmacher teilt, so ist doch wohl klar, daß die Berliner Skulptur nicht repräsentativ genug ist, um dieses Thema zu bewältigen, also das Menschenbild in der Plastik möglichst vollständig darzustellen. So geriet diese Ausstellung unfreiwillig zu akademischer Trockenkunst, in der eine unerwartete Monotonie den Ton angibt. Dennoch — eine informative Veranstaltung, der freilich noch ein Vorwurf zu machen ist: Die Perlenkette, die man nicht wollte, sollte wohl doch präsentiert werden; wie anders ließe sich erklären, daß der HitlerFavorit Breker hier nahtlos und ausgerechnet neben Käthe Kollwitz mit einem Liebermann Kopf präsentiert wird? (Orangerie, bis zum 23. Juli, Katalog 12 Mark) Daghild Bartels Ein, wie es einer der beiden Austeller nennt, "organisierter Zufall" macht es möglich, daß jetzt zwei Düsseldorfer Galerien gleichzeitig Arbeiten von Peter Hutchinson zeigen und dabei keine Konkurrenz Unternehmungen präsentieren, sondern einander ergänzende Zusammenstellungen: während bei Denise ReneHans Mayer unter dem PalindromTitel "Dog saw I was god" eine Auswahl wichtiger Hutcbinson Arbeiten aus den, Jahren 1968 bis 1977 zu sehen ist, ermöglicht wenige Straßen weiter "Art in Progress" mit einer Reihe von Skizzen, Studien und Zeichnungen Einblicke in die Ideenwerkstatt des 1930 in London geborenen und seit mehr als zwanzig Jahren in Amerika lebenden Künstlers, dessen Thema auch und immer wieder die Natur ist. Prozesse, Veränderungen, Eingriffe in Landschaften: 1970 versieht er für sein "Horseshoe Piece" verschiedene Landschaften mit blühenden Chrysanthemen, photographiert die veränderten Naturräume und setzt die Ausschnitte so aneinander, daß die Blumen ein Hufeisen bilden. Sich selbst sieht er in einem seiner Blätter als Künstler, der durch, die Landschaft reist, Geschichten erzählend und sammelnd. Eine seiner letzten großen Erzählungen: ,Mans Condition" von 1977, eine aus dreizehn Schwarzweiß- und. Farbphotos und einem Gedicht bestehende Arbeit, in der er von (un )menschlichen Lebens- und Umweltbedingungen berichtet, auf negative und positive und die Beziehung zwischen beiden deutet, das scheinbar so weit Auseinanderliegende zusammenstellt: das Schwarzweißphoto von der alten Frau im Schnellimbiß mit dem Farb