Wieder einmal hat Wienerwald-Boß Friedrich Jahn der Stadt München einen führenden Beamten abgeworben: Den 54jährigen Otto Hiebl, seit 17 Jahren Leiter des Fremdenverkehrsamtes. Er wird in die oberste Spitze des Konzerns, den Verwaltungsrat der Dachgesellschaft Wienerwald Holding AG in Feusiesberg bei Zürich berufen und dort vom 1. Juli an als General Manager für Public Relation, Presse, Marketing, Verkaufsförderung und Touristik tätig sein. Seine Hauptaufgabe ist der Aufbau eines Touristik-Geschäfts mit der neugegründeten Wiwatour Gastronomie und Touristik GmbH, München.

Friedrich Jahn, dessen Konzern im letzten Jahr 725 Millionen Mark umgesetzt hat und 1978 bei einer Zuwachsrate von bisher 27 Prozent auf 900 Millionen Mark kommen dürfte, möchte mit dem neuen Geschäftszweig vor allem seine fünfzig Hotels mit rund 3400 Betten und seine Restaurants besser auslasten. Jahn will sich sowohl um Incoming-Touristen aus dem Ausland als auch um deutsche Urlauber bemühen. Er stellt sich vor, daß sie in seinen Lokalen eine Reise aussuchen können, während sie auf ihr Hendl warten. Verfrüht ist allerdings die Schlagzeile einiger Boulevard-Zeitungen, Jahn wolle Franz Beckenbauer anheuern. Er hat zwar vor einigen Tagen mit dem Fußballkaiser gesprochen, „im Moment könne er mit den Cosmos-Gagen aber nicht mithalten“, heißt es.

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Die Österreicher träumen weiter von einer eignen Autoindustrie, und der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Porsche AG, Professor Fuhrmann, hilft ihnen dabei. Diese Woche reist er nach Wien und will den Österreichern bei einem Symposium über die große Frage „Soll Österreich Automobile bauen?“ erklären, wie man das macht.

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Finanzminister erhalten selten Beifall von steuergeplagten Bürgern. Bundesfinanzminister Hans Matthöfer ist eine wohltuende Ausnahme. Kurz vor Ablauf der Frist für die Einreichung von Lohnsteuerjahresausgleichsanträgen (31. Mai), mit deren Hilfe zuviel gezahlte Steuern zurückgefordert werden können, forderte er die Länderfinanzminister auf, auch verspätet eingereichte Anträge noch anzunehmen.

Ab 1979 soll nach einem neuen Gesetz, das vermutlich noch in diesem Monat verabschiedet wird, der Abgabetermin für Einkommensteuererklärungen und auch für Lohnsteuerjahresausgleiche ohnehin einheitlich auf den 30. September festgelegt werden.