Mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen für Warenhäuser, Banken und Autoaktien kam zum Ende vergangener Woche neuer Schwung in die Börsensäle. Spitzenreiter unter den Warenhäusern waren Neckermann mit plus fünf Mark, Kaufhof plus neun Mark und Karstadt mit plus 14 Mark. Für die Zugkraft sorgte eine Äußerung des Branchensprechers, nach der die Warenhäuser für das laufende Jahr mit erheblich verbesserten Umsätzen rechnen könnten. Bankaktien profitieren vor allem durch Zukäufe inländischer Großanleger und durch das Ende von Verkäufen aus dem Ausland.

Die Gruppe der Autoaktien reagierte auf den überraschend guten Auftragseingang vom April. VW sorgte durch die Diskussion um einen VW-Golf-Diesel für den US-Markt für zusätzlichen Anreiz.

Die außergewöhnlich gute Stimmung auch bei anderen Werten hatte noch einen anderen Grund: Die wiederaufgeflammte Diskussion um die Steuerbelastung ausgeschütteter Gewinne für Ausländer, denen das Steuerguthaben für die Anrechnung auf die persönliche Einkommensteuer fehlt, verstärkte wieder das Interesse des Auslandes an deutschen Aktien.

Diese fiskalische Benachteiligung, die zu erheblicher Verstimmung an den Börsen geführt hatte, scheint jetzt abgebaut zu werden. Anlaß für solche Hoffnungen waren neue deutsch-schweizerische Ministergespräche über ein neues Doppelbesteuerungsabkommen. Darin ist zum erstenmal von deutscher Seite Bereitschaft angedeutet worden, den Quellensteuersatz für Ausländer von 25 auf 15 Prozent zu ermäßigen.

Zwar fordern die Schweizer noch mehr Entgegenkommen von Bonn, doch wäre auch schon ein solches Zugeständnis, das obendrein rückwirkend zum 1. Januar 1977 in Kraft treten könnte, ein versöhnlicher Schritt. Und das wird offensichtlich in diesen Tagen an der Börse mit neuer Kaufbereitschaft vorweghonoriert.

jfr.