Hannover

Die Exkursion in den Schulgarten war kein Wahlkampf mit anderen Mitteln. Hannelore Schmidt sucht auch nicht etwa einen zerstreuenden Zeitvertreib, wenn das politische Geschäft ihres Mannes sie von Bonn oder Hamburg wegführt.

In Hannover wollte der Bundeskanzler für seine Parteifreunde ein paar Wahlwerbende Worte sagen. Seine Frau besuchte zur gleichen Zeit das Schulbiologiezentrum der Stadt. Eine derartige Visite ist kein Pflichtablauf, für die Frau des Regierungschefs nicht, auch nicht für die Besuchten. Kein Damenprogramm mit Schnurren, Honneurs und Heiterkeit, kein Ritual mit der obligatorischen Überreichung eines Geschenks und der anschließenden erleichterten Verabschiedung.

Hannelore Schmidt ist kein Anhängsel. Die Rolle der „Frau Bundeskanzler“ spielt sie nicht, trumpft niemals auf. Sie hat ein spezielles Interesse und ein Anliegen. Sie war Biologielehrerin, hält etwas von diesem Fach, mißt ihm Bedeutung zu. Sie will der Schulbiologie den Anschein der Niedlichkeit nehmen, der Nebensächlichkeit. Naturkunde und Naturverständnis will sie fördern, sich für die Bewahrung der Pflanzen-und Tierwelt einsetzen. Umweltschutz also, im – so wichtigen – kleinen. Darin steckt keine Schrulligkeit. Es scheint der sinnvolle Anfang mit Trippelschritten zu sein.

Eine junge Reporterin wollte wissen: „Entwickelt Ihr Mann im Kabinett Initiativen aus Ihren Anregungen?“ „Dafür hat er zuwenig Zeit.“ „Aber Sie sprechen doch darüber.“ „Ja.“ Umweltbewußt ist Helmut Schmidt, daran läßt seine Frau keinen Zweifel. Aber Politik macht sie nicht, nicht über ihn.

Im Mai 1976 hat Hannelore Schmidt das „Kuratorium zum Schutze gefährdeter Pflanzen“ gegründet. Dieses Gremium, dem Wissenschaftler, Industrielle, ein Fernsehintendant und Naturfreunde angehören, will Pflanzen vor dem Aussterben bewahren und die Zerstörung von Teilbereichen der Umwelt verhindern.

Wer für den Schutz gefährdeter Pflanzen eine besondere Leistung bringt, wird vom Kuratorium mit der „Silberpflanze“ ausgezeichnet. Seine Anhängerschaft um Hannelore Schmidt weist sich mit einem blumengeschmückten Aufkleber aus: „Ansehen immer. Abpflücken nie!“