Rund 1,3 Millionen Bundesbürger besuchten im letzten Jahr Englands Hauptstadt London. Die Mehrzahl gab ihr Geld beim Shopping-Bummel aus. Doch die Preise in britischen Warenhäusern und Boutiquen kletterten in den letzten Monaten kräftig nach oben.

Glaubt man den verlockenden Werbesprüchen der deutschen Reiseveranstalter, so ist London ein wahres Einkaufsparadies: „Was auch immer Sie suchen – Englands Hauptstadt hat’s! Wohl nirgends können Sie so herrlich und preiswert einkaufen“, heißt es im Neckermann-Prospekt, und Konkurrent Jet-Reisen verspricht: „Der günstige Pfundkurs macht London zum idealen Shopping-Ziel.“

Richtig ist, daß der Wechselkurs nach wie vor attraktiv und die Auswahl der angebotenen Waren groß ist. Doch die Zeit der fast nostalgisch anmutenden Preise ist endgültig der Vergangenheit zuzurechnen. Wer sich etwa in London neu einkleiden will, muß schon eine gewisse Ausdauer mitbringen, um nach wirklich preiswerten Angeboten zu fahnden. Britische Geschäftsleute haben nämlich längst ihre Kalkulationen überdacht. Steigende Umsätze allein genügen ihnen nicht mehr, auch die Gewinnmargen wurden kräftig geliftet.

Die Aufschläge machen sich vor allem in den Geschäften der beiden großen Shopping-Regionen an der Oxfort Street und im Stadtteil Chelsea bemerkbar. So müssen etwa für modische und qualitativ hochwertige Kleider nicht selten mindestens 80 bis 100 englische Pfund (etwa 330 bis 414 Mark) auf den Ladentisch geblättert werden. Sauber verarbeitete Herrenanzüge sind unter 80 Pfund kaum zu bekommen (bei guten Stoffen werden sogar mehr als 150 Pfund verlangt), und Schuhe kosten oft 40 bis 60 Pfund. Sogar die Icecream-Händler haben sich der Preisentwicklung angepaßt: pro Kugel verlangen sie bis zu einer Mark.

Robert König, Sprecher der Britischen Zentrale für Fremdenverkehr, kennt die Probleme. Er empfiehlt, in die Randbezirke Londons zu fahren: „Da kann man eine Menge Geld sparen!“ Das gilt besonders auch für den Einkauf von Antiquitäten.

Trotz der sprunghaft gestiegenen Preise ist London bei Deutschlands Flugreisenden erste Wahl unter den europäischen Metropolen. Die Touristikunternehmen registrieren weiterhin eine „sehr starke Nachfrage“. Besonders beliebt sind die City-Trips zum Wochenende (Abflug am Freitagabend, Rückkehr am Montagabend). Zwar werden diese Kurzreisen in den bunten Veranstalter-Prospekten bereits für weniger als 200 Mark offeriert, in der Praxis muß man in diesem Sommer jedoch mindestens 400 Mark zahlen, um ein London-Wochenende inklusive Flug (von fast allen deutschen Flughäfen), passabler Hotelunterkunft und Frühstück zu buchen. Wer auf Komfort Wert legt, sollte sogar eher mit 500 Mark kalkulieren.

Weitaus preiswerter (und wesentlich besser als ihr Ruf) ist dagegen die englische Küche. In einem der vielen guten Restaurants in Chelsea kann man bereits für fünf Pfund ein mehrgängiges Abendessen einnehmen.

Werner Dageför