Wirtschaftliche Engagements in Kamerun profitieren von der politischen Stabilität

Drei Dinge, so resümiert ein deutscher Unternehmer nachdenklich, braucht der, der in einem Entwicklungsland wie Kamerun Geld anlegen will: Geduld, eine gute Portion Einfühlungsvermögen und langen Atem. Doch damit allein ist es nicht getan. Selbst bei aller Geduld, bei aller Vorsicht im Umgang mit den Menschen dieses westafrikanischen Staates – meist bleibt immer noch ein „Sack voller Probleme“. So sind denn auch schon einige deutschkamerunische Projekte nicht zur Zufriedenheit der Beteiligten gelaufen, eine Düngemittelfabrik etwa oder ein Projekt zur Fleischverarbeitung.

Die Schwierigkeiten beginnen schon im Planungsstadium. Bevor die erforderlichen Genehmigungen zusammen sind, vergeht häufig mehr als ein Jahr. Die langsamen Mühlen der Administration kosten nicht nur Nerven, auch die Voraussetzungen für die Investition haben sich inzwischen häufig gewandelt. Allerdings wollen die Kameruner in diesem Punkt Abhilfe schaffen: Die Verwaltung soll Investitionsanträge innerhalb von dreißig Tagen nach Empfang bearbeiten. Freilich, dieser Erlaß ist nicht ganz neu; er datiert aus dem Jahre 1976; und die unternehmerischen Klagelieder sind bisher durchaus nicht verstummt.

Ist der Marsch durch die Instanzen geschafft, beginnt der Kampf um die Verwirklichung dessen, was gerade schriftlich fixiert ist. Denn so einfach kann man da nicht nach Hause tragen, was man schwarz auf weiß besitzt. „Ein Vertrag ist in Afrika nicht viel wert“, weiß ein Unternehmer zu berichten. „Man muß ihn zwar haben, damit man nicht ganz verloren ist, aber darf nicht glauben, daß er überall etwas nützt.“ Häufig genug will ein Beamter, der den Vertrag erfüllen soll, eben auch seinen Anteil an dem ins Land fließenden Geld. Da ist es nur ein kleiner Trost, daß in Kamerun die Korruption längst nicht so prächtig blüht wie in vielen anderen afrikanischen Staaten.

Dafür ist die Vetternwirtschaft gut entwickelt. Der kamerunische Staat legt meist Wert darauf, über eine seiner Investitionsgesellschaften an neuen Projekten beteiligt zu werden. Das heißt nicht nur finanzielle Kooperation, das gibt zugleich Gelegenheit, in personellen Dingen ein Wort mitzureden. So werden die Posten von Aufsichtsräten, stellvertretenden Direktoren und anderen leitenden Angestellten gern mit Brüdern, Vettern oder anderen Verwandten besetzt, die in den traditionellen Großfamilien in ausreichender Zahl vorhanden sind. Und die einheimischen Manager, die den Firmen nicht immer nur Freude bereiten, müssen zu allem Überfluß auch noch hoch bezahlt werden; sie wollen auch Haus, Auto und Personal haben – die Firma zahlt.

Den starken Zusammenhalt der afrikanischen Familien oder gar der Stämme spürt der Unternehmer auch bei der Einstellung der Arbeiter: Paßt er nicht auf, dann kann es passieren, daß sein schwarzer Personalchef nur Leuten aus seinem Dorf zu Brot und Arbeit verhilft – und das führt häufig zu Spannungen mit anderen Stämmen. In Kamerun hat nämlich in den letzten Jahren die große Landflucht eingesetzt. Jahr für Jahr wandern vor allem junge Leut in die großen Städte. Ein Viertel der Bevölkerung lebt bereits in den Ballungszentren. Entsprechend hoch ist hier die Arbeitslosenquote; Schätzungen sprechen von zwanzig bis dreißig Prozent.

Allerdings ist die Arbeitswut der Kameruner nicht immer besonders ausgeprägt. Klima und Mentalität sind nun einmal anders als in Westeuropa. Außerdem hat Geld hier bei weitem nicht den Wert, den ihm die Menschen in hochindustrialisierten Ländern beimessen. Viele Menschen arbeiten überhaupt nur dann, wenn sie sich etwas besonderes leisten wollen, ein Fahrrad zum Beispiel oder neue Kleidung. Ist das nötige Kleingeld für solche Wünsche beisammen, leben sie wieder von dem, was das Land hergibt: Mais, Hirse, Maniok, Bananen vor allem. Glückliches Kamerun? Die Unternehmer sehen das anders. Sie legen Wert auf kontinuierliche Beschäftigung und eingearbeitete Leute, auf die sie sich verlassen können.