Nach einer unfreiwilligen Pause von sieben Monaten geht der Prozeß im sogenannten "Lehrbeanstandungsverfahren" gegen den Hamburger Pastor Paul Schulz jetzt in die zweite Runde. Dieser Aufschub war nötig geworden, weil das siebenköpfige Spruchkollegium der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirchen Deutschlands nach einem Unfall eines seiner Mitglieder, des Marburger Professors Hartmut Stegemann, vorübergehend nicht mehr beschlußfähig gewesen war. Man hätte den Prozeß sonst mit einem anderen Gremium noch einmal von vorn beginnen müssen. Professor Stegemann, Fachmann für das Neue Testament, steht jetzt wieder zur Verfügung; die erste Verhandlungsrunde vom 14. und 15. November 1977 "zählt" also.

Damals hatte der beurlaubte Hamburger Pastor Paul Schulz, der einen persönlichen Gott, wie ihn die Bibel beschreibt, konsequent ablehnt, zumindest ein Remis gegenüber dem intensiv fragenden Spruchkollegium erreicht. Die Chancen für Schulz lagen dabei nicht zuletzt in seiner rhetorischen Überzeugungskraft, von der er nachdrücklich Gebrauch machte.

Mittlerweile ist viel Wasser die Elbe hinuntergeflossen; und wenn die Schulz-Fans auch diesmal nicht fürchten müssen, ihrem "Ketzerpastor" könnte in diesem theologischen Disput die Puste ausgehen, so ist die Situation vor der zweiten Runde für den beurlaubten Pastor der Hamburger Jacobi-Kirche keineswegs angenehmer geworden. Im Gegenteil, er bekam zwischenzeitlich von den Kirchenoberen einen energischen Ordnungsruf zu hören, als er versuchte, unter eigener Regie "Sonntagsfeste" in der Hamburger Markthalle zu veranstalten.

In dem Schreiben der Nordelbischen Kirche hieß es damals: "Sehr geehrter Herr Pastor Dr. Schulz. Uns liegt das Programm der von Ihnen geplanten Veranstaltungsreihe ‚Sonntagsfest der Communio humana‘ vor. Sie haben zu dieser Veranstaltung unter dem Briefkopf ‚Dr. theol. Paul Schulz – Pastor an der Hauptkirche St. Jacobi‘ auch die Gemeinde von St. Jacobi eingeladen. Durch Beschluß des Kirchenrats vom 18. Oktober 1976 sind Sie nach den Bestimmungen des Lehrbeanstandungsgesetzes beurlaubt worden. Während der Beurlaubung ist Ihnen der pastorale Dienst in Wortverkündung und Sakramentsverwaltung sowie die Wahrnehmung Ihrer Rechte und Pflichten aus Ihrem Amt als Pastor an der Hauptkirche St. Jacobi untersagt worden. Sie sind also verpflichtet, sich derzeit jeder Art pfarramtlicher und pastoraler Tätigkeit in Wortverkündigung, Sakramentsverwaltung und in der Ausübung des Amtes als Pastor zu enthalten. Daraus folgt, daß Sie mit der von Ihnen geplanten Veranstaltungsreihe und insbesondere durch die Predigt gegen Wortlaut und Inhalt des Beschlusses des Hamburger Kirchenrates verstoßen würden."

Paul Schulz strich daraufhin, nach einigem Zögern, seinen Namen als Veranstalter dieser "Sonntagsfeste", die dann aber – mit Pastor Schulz als Gast und Zentralfigur – dennoch in der Hamburger Markthalle stattfand.

"Ich weiß nicht", sagt Paul Schulz vor der nächsten Runde des "Lehrbeanstandungsverfahrens", "mit welchem Schwerpunkt-Thema und mit welcher Taktik es nun weitergeht in Hannover. Ich möchte nur nicht, daß man meint, ich hätte hier in der Hamburger Markthalle einen neuen Beruf bekommen. Ich bin Pastor, und ich möchte Pastor bleiben."

Tatsächlich wird dem Hamburger Pastor immer wieder vorgeworfen, er mache über die geistige Auseinandersetzung hinaus zuviel Eigenwerbung. Er sei zu publicitybedacht, heißt es, in kirchlichen Kreisen, er sei nicht so sehr an Jesus, sondern vornehmlich an Pastor Schulz interessiert. Paul Schulz kennt diese Vorwürfe; aber er hält sein Handeln, als Gastredner in der Hamburger Markthalle aufzutreten, für sachlich begründet. "Ich will doch gar keine andere Kirche", sagt er, "ich will nur eine andere Kirchlichkeit."