Ungerecht findet Bundesfinanzminister Hans Matthöfer die Verteilung der Steuerlast, genauer gesagt den wachsenden Anteil der Lohnsteuer an den Staatseinnahmen. Für Januar 1980 kündigte er deshalb einen Lohnsteuertarif an, „der mehr Gerechtigkeit bringt“. Fließt dann weniger Lohnsteuer in die Staatskassen, so meint Matthöfer, muß das Loch eventuell mit der Mehrwertsteuer gestopft werden.

Auch die IG Metall schmiedet Pläne, um die Arbeitnehmer finanziell besserzustellen. Für die kommenden Tarifrunden strebt die Gewerkschaft durchgängig gemeinsame Tarifverträge für Arbeiter und Angestellte an, wie Vorstandsmitglied Lutz Dieckerhoff bekräftigte. Die Devise lautet, „mit vereinter Kampfkraft“ für die Verwirklichung der gemeinsamen Interessen zu kämpfen.

Was die Arbeitskämpfe unsere Wirtschaft kosten, rechnete jetzt. das Statistische Bundesamt vor: Die Streiks und Aussperrungen in den ersten drei Monaten dieses Jahres, von denen insgesamt 395 400 Arbeitnehmer betroffen waren, habenden Verlust von 2 974 000 Arbeitstagen gebracht, davon nahezu die Hälfte in der Automobilindustrie. Im Bereich Druckerei und Vervielfältigung gingen insgesamt 236 800 Arbeitstage verloren.

Gute Nachrichten vom Arbeitsmarkt kommen aus Nürnberg. Im Mai ist die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit Oktober 1977 wieder unter eine Million, nämlich auf 913 000 gesunken. Besonders Männer und Jugendliche kamen zum Zuge. Trotzdem gibt sich der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Joseph Stingl, noch nicht optimistisch. Spektakuläre Entwicklungen zeichnen sich auch weiterhin nicht ab, meint er, da die guten Ergebnisse mehr saison- als konjunkturbedingt seien.

Eine leichte Belebung erhält die Konjunktur vom Wohnungsbaumarkt. Im ersten Quartal dieses Jahres hat die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern und auch nach Wohnungen in Mehrfamilienhäusern erstmals wieder merklich zugenommen. Die Genehmigungen stiegen um 13,1 Prozent bei den Ein- und Zweifamilienhäusern und um 23,6 Prozent bei den Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Bundesbauminister Dieter Haack führt diese erfreuliche Entwicklung auf die verbesserten Renditen und die Erweiterung der Abschreibungsmöglichkeiten beim Wohnungsbau zurück. iml