Vor dem Stuttgarter Landgericht ist am Dienstag dieser Woche erneut in Sachen Filbinger gegen Hochhuth und Die ZEIT verhandelt worden. Der Streitpunkt, um den es nun schon seit Wochen geht: Ist es erlaubt, den baden-württembergischen Ministerpräsidenten einen „furchtbaren Juristen“ zu nennen, weil er nach dem Krieg einen Matrosen mit Nazigesetzen verfolgt hat.

Während der Verhandlung – das Gericht will am 13. Juli sein weiteres Vorgehen in diesem Verfahren verkünden – beriefen sich die Anwälte Filbingers auf andere Urteile jener Zeit, aus denen hervorgeht, daß das Matrosen-Urteil sich in dem damals üblichen Strafrahmen bewegt habe. Die Anwälte Hochhuths und der ZEIT wiesen ihrerseits auf insgesamt 41 Gerichtsurteile hin, deren Akten heute im Koblenzer Bundesarchiv lagern. An diesen Fällen, die zum Teil aus der Zeit nach der Kapitulation stammen, war Filbinger als Richter beteiligt. Es gibt Anhaltspunkte dafür, daß diese Akten zwei Todesurteile enthalten.

Abseits allen juristischen Streits gebietet es das hohe Amt Filbingers, jeden Zweifel auszuräumen, er sei ein „furchtbarer Jurist“ gewesen. Deshalb hat er die moralische Verpflichtung, alle Urteile, an denen er als Marinerichter beteiligt war, offenlegen zu lassen. Verweigert er dies, so hat er sich selbst gerichtet als ein Mann, der seine Vergangenheit fürchtet. v. K.