Ohne Einschränkungen hat das Weiße Hans seinen Vorwurf kubanischer Mitwisserschaft bei der Invasion von Katanga-Rebellen In Shaba erneuert.

Mit dieser Erklärung stellte sich die amerikanische Regierung zu Wochenanfang hinter den Vorwurf von Präsident Carter, Kuba sei über den militärischen Vorstoß in die Zaire-Provinz zumindest unterrichtet gewesen. Die Darstellung des kubanischen Präsidenten Fidel Castro, er habe die Rebellen-Invasion verhindern wollen, könne an der amerikanischen Einschätzung der Rolle Kubas in Afrika nichts ändern.

Castro hatte am 17. Mai, vier Tage nach Beginn der Shaba-Invasion, dem ranghöchsten US-Diplomaten in Havanna mitgeteilt, daß er von dem militärischen Vorhaben gewußt habe, seine Verwirklichung jedoch trotz mehrfacher Versuche nicht verhindern konnte.

Trotz dieser Castro-Mitteilung, die nach Washington weitergeleitet worden war, hatte Carter acht Tage später heftigste Vorwürfe gegen Kuba erhoben und erklärt, Castro habe „offensichtlich nichts getan“, um die Operation zu verhindern.

Nach Durchsickern der Castro-Stellungnahme waren in der amerikanischen Öffentlichkeit erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit von Carters Informanten aufgetaucht. Demgegenüber versicherte Carters Pressesprecher Jody Powell, die Vereinigten Staaten seien nicht verpflichtet gewesen, Castros Mitteilung zu veröffentlichen. Er sagte: „Unsere Erklärungen über die Rolle der kubanischen Regierung und anderer in dieser Affäre entstanden in voller Berücksichtigung dieser Situation.“ Dabei sei eine „Abwägung aller Faktoren“ vorgenommen worden. Diese „Meinung über die Situation“ brauche auch nachträglich nicht geändert zu werden.

Vor allem im amerikanischen Außenministerium wurden inzwischen Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussage Castros laut. Ministeriumssprecher Hodding Carter ergänzte, die „Bilanz kubanischer Wahrheitsliebe“ bezüglich Angola-Zaire und Äthiopien sei so, daß alle Versicherungen in Zweifel gezogen werden müßten. In einer persönlichen Stellungnahme fügte er hinzu, dem Präsidenten sei die Castro-Erklärung bekannt gewesen.

Die Informationen, auf die sich der US-Präsident tatsächlich stützte, sind gleichwohl bisher nicht veröffentlicht worden. Aus dem Senatsausschuß für internationale Beziehungen, dem ein themengleicher Report des Geheimdienstes CIA vorgelegt wurde, verlautete jedoch, es habe sich nur um Quellen aus zweiter und dritter Hand gehandelt.