Von Erika Martens

Eine der kleinen Organisationen im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) macht von sich reden: Die Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten (NGG) mit ihren rund 240 000 Mitgliedern zeigt ihren großen Brüdern, wie man die Arbeitszeitverkürzung in den Griff bekommen kann. Was nämlich in anderen Arbeitnehmerorganisationen noch längst nicht ausdiskutiert ist, wuchs bei der NGG bereits zum fertigen Konzept heran.

In der Zigarettenindustrie mit ihren 17 000 Beschäftigten gibt es seit einigen Tagen eine Vereinbarung, die bisher einmalig in der Bundesrepublik ist:

  • Arbeitnehmer, die älter als sechzig Jahre sind, können vom 1. September dieses Jahres an entweder ganz aufhören zu arbeiten und erhalten dann bis zum Erreichen der Altersgrenze 75 Prozent ihres bisherigen Lohns (einschließlich der jährlichen Sonderleistungen).
  • Sie können ihre wöchentliche Arbeitszeit aber auch auf zwanzig Stunden reduzieren. In diesem Fall wird ihr Arbeitsentgelt in voller Höhe weitergezahlt.

Etwa drei- bis vierhundert ältere Kollegen der Branche können nach den Berechnungen der NGG von der Abmachung profitieren.

Doch nicht nur sie sind die Gewinner der Vereinbarung. Die Tarifpartner der Zigarettenindustrie schlugen gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit der Erleichterung des Übergangs in den Ruhestand leisten sie einen Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt und zugleich erreichten sie einen arbeitsmarktpolitischen Effekt.

Die Arbeitgeber sagten nämlich zu, daß für jeden ausscheidenden Arbeitnehmer ein anderer Mitarbeiter eingestellt werden soll: Für je zwei Beschäftigte, die die zweite Variante wählen, wird ein neuer eingesetzt. Bisher haben nur einzelne Betriebe wie etwa der Weingutsbesitzer Pieroth den flexiblen Übergang in den Ruhestand erprobt.