Von Brigitte Zander

München

Es gibt Freibier und ein deftiges Büfett. Aufgeräumt stellt ein graumelierter Herr am Saaleingang die Neuankömmlinge den anderen, schon munter plaudernden Gästen vor. „Kennen Sie sich schon? Herr Meier... das Ehepaar Huber. Sie werden sich ja hier demnächst öfter treffen!“

Ist das die Kontaktparty eines Sportvereins? Oder ein aufgelockerter geschäftlicher Cocktail-Empfang? Weit gefehlt. Hier im gemütlichen Pfarrsaal St. Ulrich im Münchner Stadtteil Laim verfolgt der CSU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Paul Wilhelm eine ausgeklügelte Parteistrategie: Neue Mitglieder werden auf feucht-fröhlichen Empfängen liebevoll in das Gesellschaftsleben der Union eingeführt – auf daß sie schnell netten Anschluß finden, sich wohl fühlen im örtlichen Parteikreis und weitere Bekannte und Freunde mitbringen.

Die Strategie ist erfolgreich. Seit Beginn der siebziger Jahre ist Paul Wilhelms Kreisverband von 266 auf über 1200 Mitglieder angewachsen.

In der Parteilandschaft der Christsozialen ist dies nicht einmal außergewöhnlich. Nahezu überall entwickelten sich in jüngster Zeit einstige Diaspora-Regionen der CSU zu blühenden Mitgliedergärten. Die Statistiker im Parteihauptquartier an der Münchner Lazarettstraße registrierten für die vergangenen drei Monate allein 2000 Neuzugänge im Land. Letzter Karteistand: 162 023 Mitglieder (106 951 im Jahr 1972).

Der Boom erklärt sich natürlich nicht allein aus Kontaktpartys – wenn auch die Erkenntnis des bayerischen Fernsehmannes Franz Schönhuber zutrifft, die SPD könne gut diskutieren und die CSU gut feiern. Die Anfang der siebziger Jahre gestartete Imagekosmetik, gezieltes Engagement in den Städten, moderne PR-Methoden und intensive Mitgliederwerbung vor allem in den jüngeren Bevölkerungskreisen, hat sich inzwischen ausgezahlt.