Cordoba

Viel Aufhebens hat es nie um Hans-Georg Schwarzenbeck gegeben. Damals nicht, als er Weltmeister wurde. Heute nicht, da, er auf der Reservebank sitzt: Vermutlich die letzte Station seiner Karriere im Nationaltrikot, die nun in Argentinien lautlos zu Ende geht. Ein neuer Bundestrainer kommt, eine neue Aufbauperiode zur nächsten Weltmeisterschaft beginnt. Auf Schön folgt Derwall, und auf den Vorstopper Schwarzenbeck ist längst Rüßmann gefolgt.

Beim Training, in den Übungsspielen, da steht er seinen Mann wie eh und je: sperrig, unbequem, hartknochig. „Es ist ja nicht so, daß ich nach der Weltmeisterschaft mit dem Fußball aufhöre“, sagt er. Und, falls er doch noch eingesetzt werden sollte, dann wolle er auf keinen Fall enttäuschen. Und natürlich will er spielen. „Ich hab’ einen unheimlichen Ehrgeiz; man sieht es mir nur nicht so an.“

Doch wenn Hans-Georg Schwarzenbeck an den freien Nachmittagen in Ascochinga auf einer der weißen Ruhebänke sitzt, die ein bißchen nach Sanatorium aussehen, dann sind da neue Gedanken, und er weiß, daß sich etwas zu verändern begonnen hat. Bei den naheliegenden Gedanken, ob und gegen wert er nochmal eingesetzt werden könnte, ob er in Form sei, und daß er sich von der Ungeduld auf der Reservebank nicht unterkriegen lassen dürfte, fällt ihm jetzt immer häufiger seine Familie.

44 Länderspiele hat er auf dem Buckel, viermal Sieger im Europapokal, Deutscher Meister und immer der Streß, gewinnen zu müssen. 1974 war sein größtes Jahr.

„Manchmal denke ich“, sagt er, „vier Jahre, und was sich alles verändert hat mit unserem FC Bayern und mit uns. Wir waren Weltmeister und Europapokalsieger geworden. So ein Jahr wiederholt sich nicht, und das muß es ja auch nicht.“ Ein wenig müde geworden? „Nein, das nicht.“ Aber Hans-Georg Schwarzenbeck ist trotzdem bereit, sich selbst aus dem ganz großen Fußballeben langsam zurückzunehmen.

Das will nicht in das Bild passen von dem Mann, den sie „Katsche“ rufen. „Katsche“, der Kämpfer, der hinlangt, wenn es sein muß, knochenhart, unerbittlich. Und wer hätte ihn im Umkreis des Fußballfeldes jemals lächeln sehen? Die Stehkurve hat ihn nur widerwillig zum Helden erhoben, jederzeit bereit, ihn wieder fallen zu lassen. Denn was ihn als Spieler auszeichnete, war den Alltagspflichten der Leute viel zu nahe: Robustheit, Zuverlässigkeit, Widerstandskraft, Einsatz. Mit Schwarzenbeck identifiziert man sich nicht – man ist mit ihm schon identifiziert. „Ich muß immer mit meinem ganzen Körpereinsatz spielen“, sagt er, „das kostet Substanz. Ich bin keiner wie Franz, der hinten drin steht und den Ball hoch hält.“