Tipke, Steuerrecht. Ein systematischer Grundriß von Klaus Tipke, 5. völlig überarbeitete und erweiterte Auflage 1978, 600 Seiten, Verlag Dr. Otto Schmidt KG, Köln, Studienausgabe (Paperback) 49 Mark, Leinen 64 Mark.

Es gibt Personen, „die möchten den Bürger durch eine Vielzahl von Steuern mit einem Wirrwarr von Vorschriften und undurchsichtigen Überwälzungsvorgängen über seine Gesamtbelastung bewußt im unklaren lassen“. Diese Anschuldigung stammt nicht aus einem Pamphlet eines Steuerrebellen oder des Gründers einer neuen Steuerpartei, sondern aus einem ungewöhnlichen Lehrbuch von Klaus Tipke, Professor an der Universität Köln.

Steuerfachliteratur – so glaubt man gemeinhin – habe weder Stil noch Format für einen Bestseller. Tipke revidiert das Vorurteil jetzt mit der fünften Auflage „eines systematischen Grundrisses“, wie es im Untertitel heißt. „Der Tipke“, wie er in Fachkreisen kurz genannt wird, ist ein Bestseller.

Was kaum einem anderen Autor eines so schwer durchschaubaren und meist unverständlichen Rechtsgebietes gelang, schaffte der Kölner Professor. Seine Ausführungen sind nicht nur verständlich, „sie sind manchmal geradezu fesselnd“, meint der Steuerrechtler Professor Klaus Vogel. „Für denjenigen, der sich in das Steuerrecht einarbeiten will“, so stellt Lothar Woerner, Richter am Bundesfinanzhof, fest, „ist das Lehrbuch von Tipke das Tor zu diesem Rechtsgebiet.“

Was der Student, der Anwalt, der Steuerbeamte oder Wirtschaftsfachmann sonst mühsam aus einem undurchdringlichen Gewirr an Fachliteratur, Gesetzestexten, Verordnungen, Erlassen und Rechtsprechung herausarbeiten muß – ein Unterfangen. bei dem so mancher im Labyrinth hoffnungslos steckenbleibt – liegt hier auf 600 Seiten im Ergebnis vor. Die systemtragenden Prinzipien und die Systembrüche des allgemeinen und des besonderen Steuerrechts werden konzentriert und einprägsam erklärt und mit den wichtigsten Hinweisen auf die entsprechende Literatur versehen.

Die „Bibel des Steuerrechts“, wie Fachleute den „Tipke“ auch nennen, ist mehr als Fachleute Fachliteratur. Sie ist Zündstoff für die aktuelle Diskussion um Steuergerechtigkeit und Vereinfachung der Vorschriften. Mit dem vorliegenden Werk müssen die Aussagen der Finanzverwaltung – nach denen sich Steuervereinfachung und mehr Gerechtigkeit ausschließen – unglaubhaft wirken. Tipke zeigt mit seinem Buch, daß es doch möglich ist. Sein Lehrbuch hat die Dimensionen eines seit Jahren geforderten allgemeinen Steuergesetzbuches.

Es systematisiert das gesamte deutsche Steuer recht in nur zwanzig Paragraphen, in denen nicht bloße Paragrapheninhalte registriert und Einzelfälle zusammenhanglos aneinandergereiht werden. Es macht zum erstenmal den Systemgedanken fruchtbar für die Gesetzesauslegung sowie für die Feststellung und Ausfüllung von Gesetzeslücken, von Verstößen gegen den Gleichheitsgrundsatz und für die Ermessensanwendung.