Hervorragend

Gioacchino Rossini: „Streichersonaten Nr. 2–5“. Die Stücke gehören nicht zu jenen, die man unbedingt mitnehmen müßte auf die einsame Insel. Aber das 1972 als Ensemble der Warschauer Kammeroper gegründete, sich inzwischen ziemlich verselbständigende Polnische Kammerorchester, das diese Platte einspielte, darf man unter die Besten seiner Art zählen, dank seiner Präzision und Klangfülle, dem Spielwitz und der Sensibilität, auch der Empfänglichkeit für gewisse Harmlosigkeiten und Form-Spielereien. Da gibt es keinen falschen Ernst, eher schmunzelnde Zurückhaltung – Rossini als Komponist kleiner, fast ironischer Miniaturen. (Polnisches Kammerorchester, Leitung: Jerzy Maksymiuk; Electrola 1 C 063-02 971)

Hörenswert

Wolfgang Amadeus Mozart: „Violinkonzerte KV 211 und 218“. Die Techniker der amerikanischen Plattenfirma CBS scheinen sich, die jüngsten Aufnahmen legen den Schluß nahe, auf einen neuen Sound einzupegeln: sehr weich, sehr kräftig in den Tiefen, ein bißchen aus der Distanz und dadurch mit stärkerem Raumgefühl, was wiederum die Schärfe in den Höhen mildert. Ein deutliches Beispiel für diesen Trend: Isaac Stern mit zwei Mozart-Konzerten. Stern hat immer zu dramatisieren geliebt, und so liegt auch hier eine Aufnahme vor, die weniger das klassische Ebenmaß anstrebt als ein fast vital zu nennendes Musizieren, kraftvoll, energisch, engagiert; die ein bißchen sich manchmal in Details verliebt, sie sogar gelegentlich affektiert überbetont; die damit eine interessante Alternative bietet zu den historisch-kritischen Aufnahmen mit Jaap Schröder (Philips) auf der Barockvioline (Isaac Stern, English Chamber Orchestra, Leitung: Alexander Schneider; CBS 76 681)

Zu vergessen

Maurice Ravel: „Bolero/La Valse/Tombeau de Couperin/Pavane pour une infante défunte“. Die 32. Aufnahme des Bolero, die 17. von La Valse, die 13. des Tombeau und die 31. der Pavane wird aus Firmen-Prestige-Gründen und aus Anhänglichkeit dem Chef des Orchesters gegenüber notwendig gewesen sein. Allein so wenig stimmig sind die Aliquot-Kombinationen und Mixturen selten geblasen, so müde die „Walzer“-Apotheose, so wenig delicat das Couperin-Memorial kaum je von einem renommierten Orchester musiziert worden. Lautstärke ist gewiß keine zu vernachlässigende musikalische Qualität, aber der Bolero ist eben kein stereotypes Radau-Entwicklungs-Stück. Der Charme der Zuidersee in Ehren, ins Baskenland wie nach Wien will der allerdings nur mit Mühe passen. (Concertgebouw Orchester, Leitung: Bernhard Haitink; Philips 9500 314)

Heinz Josef Herbort