Ein Kamel, sagen Zyniker (beziehungsweise Kenner der Bürokratie), ist ein von einer öffentlichen Kommission geplantes Pferd. Andere Sachverständige beschreiben öffentliche Kommissionen als Friedhöfe für gute Ideen oder auch als Gremien, deren Aufgabe es ist, den Politikern fehlende Argumente für längst beschlossene Maßnahmen zu liefern – und dafür brauchen sie sehr viel Papier und Zeit.

Die nach ihrem Vorsitzenden benannte Strauss-Kommission in Israel gehört aber zu den Ausnahmen, die solche Regeln bestätigen. Sie brachte es nicht nur fertig, ihren Report über die Einkommensteuerzahlungen der Kibbuzim bereits nach einem halben Jahr abzuliefern. Sie kam auch zu einem Ergebnis, das den Erwartungen des Finanzministers ganz und gar nicht entsprach.

Die Kommission war im September 1977 von dem rechts-orientierten Finanzminister Simcha Ehrlich berufen worden, um der Behauptung nachzugehen, die Kibbuzim und ihre in sozialistischer Gemeinschaft lebenden Mitglieder würden vom Fiskus weit schonender behandelt als normale Sterbliche. Ehrlich, der von der Oppositionsbank aus immer wieder den Verdacht geäußert hatte, daß die sozialistische Regierung die Kibbuzim protegiere, berief schon kurz nach seinem Amtsantritt eine Untersuchungskommission unter dem Vorsitz von Israel Strauss, einem früheren hohen Finanzbeamten, um Einkommen und Steuerzahlungen der Genossenschaften zu durchleuchten.

Doch was bedeutet „Einkommen“ in einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, in der kein Mitglied außer einem kleinen Taschengeld Lohn bezieht? Für Verpflegung, Wohnung, Erziehung, Unterhalt sorgt die Genossenschaft. In einem normalen Unternehmen zieht der Arbeitgeber die ausgezahlten Löhne von dem Ertrag des Unternehmens ab, ehe der steuerpflichtige Gewinn ermittelt wird. Parallel dazu darf der Kibbuz das verzehrte Brot, die getragene Bluse, die Nutzung der Wohnung, die Kosten für das den Mitgliedern gebotene Konzert von seinem Einkommen abziehen. Aber wie berechnet man die Nutzung des gemeinschaftlichen Schwimmbeckens oder das von den Mitgliedern selbst inszenierte und aufgeführte Theaterstück? Und wie sollen alle diese Wohltaten, für die ein normaler Arbeitnehmer aus seinem versteuerten Einkommen zahlen muß, beim einzelnen Kibbuzmitglied steuerlich berücksichtigt werden?

Israel Strauss und seine Mannen versuchten alle diese Probleme nach bestem Wissen und Gewissen zu lösen – und kamen zu dem Ergebnis, daß die Genossen im vergangenen Jahr hundert Millionen Pfund (12,5 Millionen Mark) zu viel gezahlt haben. Jetzt verlangen die Kibbuzim nicht nur die Rückzahlung der zuviel gezahlten Steuern, sondern auch eine Entschuldigung des Finanzministers für seine offensichtlich unbegründeten Verdächtigungen. Bisher warten sie allerdings auf beides vergeblich.

Teddy Preuss