Aphorismus-Wettbewerb: Wer fährt mit nach Bonn?

Wenn zwischen Jugend und Alter nicht so viel Zeit stünde, würden sich beide besser verstehen. Man sieht erst klar, wenn man um sich schaut.

Bitte Rodenberg

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Manche schließen die Augen, um besser hören zu können.

Das Wort hat Macht. Die Macht hat das Wort. Es gibt Leute, die mit beiden Beinen über den Dingen stehen. Theodor Gehrke, 20 Jahre

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Frei sein bedeutet, selbst die Zelle öffnen und ohne Angst eintreten.

Karin Baumewerd, 17 Jahre

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Philosophen sind Leute mit Sinn für die Sinnlosigkeit. Bruno Waldvogel, 17 Jahre

Der Kopfstand mag zwar ein geeignetes Mittel sein um aufzufallen – aber keineswegs ein geeignetes Mittel der Fortbewegung.

Astrid Müller, 19 Jahre.

Satire ist die Fortsetzung eines ätzenden Gelächters mit den Mitteln des Verstandes.

Daniel Scheidsteger, 17 Jahre

„Wie albern die Menschen sich manchmal geben“, dachte der Affe und griff hinter den Spiegel. Thomas Probst, 20 Jahre

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Wieso sagt einem das niemand: Es kostet weitaus weniger Kraft, sich seinen Problemen zu stellen als vor ihnen zu flüchten.

Zu oft schon in der Geschichte ließen sich die Menschen vermassen und damit verblöden. Deswegen ist es die Aufgabe und Hoffnung unserer Generation, daß die einzige Reihe, in die wir uns freiwillig begeben, die Sitzreihe im Theater ist.

Johannes Milla, 17 Jahre

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Nostalgie heißt, sich der Zeit zu erinnern, als die Computer noch Röhren hatten.

Was wären wir nur ohne unsere Neurosen – höchstwahrscheinlich neurotisch.

Inflation beginnt dann lästig zu werden, wenn das Geld aus dem alten Sparschwein gerade reicht, um ein neues anzuschaffen.

Fortschritt bedeutet, heute auf Fragen keine Antwort zu wissen, die man gestern noch nicht gestellt hat.

Deutsche Politiker sind Menschen, die freiheitlich-demokratisch denken, und einheitlich demoskopisch handeln.

Gott gab den Menschen zwar den Verstand, doch leider vergaß er, eine Gebrauchsanweisung beizufügen.

Schule ist die vorgezogene Strafe dafür, daß wir unser Schulwissen später so schnell wieder vergessen.

Wir sollten weniger die seelenlosen Roboter von morgen fürchten, als vielmehr die seelenlosen Menschen von heute. Ralf Bülow, 20 Jahre

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Zwischen allen Stühlen sitze ich auf dem Böden der Tatsachen. Christoph Münz

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Der raffinierteste politische Druck ist der Händedruck! Marcus Beiz

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Einem Lächeln sind materielle Dinge total unterlegen. Tolke Prang, 16 Jahre

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Alles ist relativ. Dennoch: „Alles“ ist absolut.

Sabine Windelen, 20 Jahre

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Je aufrechter der Staatsbürger nach oben schaut, um so weniger Grundfläche nimmt seine Haltung in Anspruch.

Halbbildung füllt einen Hohlkopf gerade bis zum Munde,

Herbert Jaeger, 19 Jahre

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Der heutige Mensch ist mit nichts mehr zufrieden – außer mit seinem Verstand; je weniger er hat, desto zufriedener er ist.

Renate Lehner, 20 Jahre

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Die jungen Mädchen von heute machen aus jedem bißchen Weiblichkeit, das sie an sich entdecken, eine Explosion.

Nur Eltern, die keinen Dank von ihren Kindern fordern, erhalten welchen; allein schon dafür.

Warum Würden-träger? Ist Würde eine so schwere Last? Frank Skulima, 19 Jahre

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Bei Licht erkennt man mehr, Oder gar nichts mehr. Lothar Lenz, 17 Jahre

Laß dich nicht gehen, geh selbst.

Freiheit ist ein Stadium, in dem man nichts mehr zu verlieren hat. Magda Bentrup

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Die teuerste Inflation ist die Inflation der Ansprüche. Lothar Weiß, 20 Jahre

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Sensibilität ist das Warten auf das Leben im Nichts. Wer nicht mehr warten kann, wird zum Künstler. Gisela Böttcher, 18 Jahre

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Ein Materialist ist ein Mensch, der die Schönheit eines Sternenhimmels durch das Zahlen der Sterne erfassen zu können glaubt.

Jede Form von Unfreiheit wird zu Recht als Bedrückung empfunden, sei es auch nur als drückendes Völlegefühl, das wir Sklaven einer Wohlstandsgesellschaft bisweilen in der Magengegend verspüren. Christa Wagner

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Manche Politiker haben ja so recht. – Rechter geht’s einfach nicht.

Burkhard Moenninghoff, 18 Jahre

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Ein Marxist ist jemand, der Marx gelesen hat, ein Antimarxist dagegen jemand, der nicht nur seine Schriften gelesen, sondern sie auch verstanden hat. Christian Koenig, 17 Jahre

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Erst wenn man versucht, jemandem seine Dummheit zu beweisen, wird man sich der eigenen bewußt. Christine Schneider, 16 Jahre

Toleranz üben gleicht einem Drahtseilakt: es gilt, weder sich selber noch den Gegner vom Seil zu stürzen. Ulrich Kartzke, 19 Jahre

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Auf dem Karussell fahren alle gleich schnell – die Reichen allerdings öfter. Lobis Markus

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Willst du das Gute, geh mit schlechtem Beispiel voran: Die Menschen sind Trotzköpfe.

Der Mensch denkt auf Befehl! Denk mal drüber nach.

Man muß nur lange genug suchen, dann findet man schon, was man nicht sucht.

Sprichwörter sind, so lautet ein Sprichwort, barer Unsinn. Udo Benzenhöfer, 20 Jahre

Wer Verantwortung trägt, wird erdrückt. Wer

keine Verantwortung trägt, wird, unterdrückt.

Die Gedanken sind frei. Viele Denkende sind es nicht.

Geld regiert die Welt. Wir sehen es an den Diäten unserer Abgeordneten.

Wolfram Lotze, 18 Jahre

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Wir leben in einer Zeit, in der „Fortschritt“ im Grunde nur bedeutet, das zu erlangen, was es ohne Fortschritt schon einmal gab.

Wolf gang Hochbruck, 19 Jahre

Die Denker denken, daß alle denken – und jagen sich dadurch selbst ins Bockshorn.

Bettina Seibert

Wer nicht immer mit den Wölfen heult, besitzt Charakter. Wer mit den Wölfen heult, erspart sich Ärger.

Roland Krawutschke, 18 Jahre

Die Jugend besitzt die Intoleranz, ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Sabine Nestmann, 18 Jahre

Vorbilder sind Photographien unserer Wunschträume von der eigenen Persönlichkeit, die wir anderen Menschen mit den Kleiner „Liebe“ aufkleben; manche gehen uns auf den Leim.

Isabella Machnik, 18 Jahre