Beachtlich

„Ein irres Klassentreffen“ von Mario Monicelli. Nicht nostalgische Erinnerungen an vergangene Schülerstreiche werden geweckt, sondern fünf „Vitelloni“ in den Fünfzigern (Philippe Noiret, Ugo Tognazzi, Adolfo Celi u. a.) bei ihren vergeblichen Fluchtversuchen aus der Mediokrität ihres Alltags gezeigt. Ein Journalist, ein Architekt, ein Arzt, ein Barbesitzer, ein Bonvivant: Akteure eines bürgerlichen Heldenlebens, die ihren beruflichen Frustrationen und familiären Bedrängungen mit teils albernen, teils rüden Eskapaden zu entrinnen suchen. Pietro Germi hatte den Film vorbereitet und das Drehbuch geschrieben und kurz vor seinem Tod (1974) die Inszenierung seinem Freund Monicelli überlassen. Die verständnisvolle Ironie von Monicelli („Diebe wie wir“) und der schwarze Sarkasmus Germis („Scheidung auf italienisch“) ergeben eine Kombination komödiantischen Talents, die noch hinter derben Späßen Angst und Verzweiflung spürbar macht. „Amici miei“ (so der Originaltitel) ist zwar eine Komödie mit manchem Klamauk – eine zutiefst pessimistische jedoch.

Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Unmoralische Novizinnen“ von Walerian Borowczyk. Unmoralische Geschichten – Titel seines 1974 gedrehten Films – sind eigentlich alle Spielfilme Borowczyks, da sie Entmystifizierungen und Enttabuisierungen der Erotik sind. Seit jenem Werk ist die suggestive, latente Erotik seiner frühen Filme („Goto, Insel der Liebe“, 1968; „Blanche“, 1971) direkter und expliziter geworden – und mitunter im dekorativ-kunstgewerblichen Tableau erstarrt („Emanuela 77 – La Marge“, 1976). Diese italienische Produktion inspiriert sich an einigen Passagen aus Stendhals Chronik „Promenades dans Rome“. Ein typisches Borowczyk-Universum: Der Mikrokosmos eines Konvents, Komplotte, Verrat, Liebe, Tod – und der Traum von Ausbruch und Freiheit. Borowczyks nach vielen Jahren wieder in Polen gedrehter Film „Geschichte einer Sünde“ (1975), ein ironisch gebrochenes surreales Melodram, zeigte ihn in alter Meisterschaft. „Interno di un convento“ (Originaltitel) hingegen ist eine ärgerliche Enttäuschung. Der Poet destruktiver Leidenschaften präsentiert sich hier als Voyeur vom Schlage eines Just Jaeckin („Emanuela“): Sex-Spiele im Kloster auf dem Niveau eines spekulativen Soft-Pornos.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„halbe-halbe“ von Uwe Brandner. „Mord an einem chinesischen Buchmacher“ von John Cassavetes. „Eine Reise ins Licht“ von Rainer Werner Fassbinder. „Die Spitzenklöpplerin“ von Claude Goretta. „Mad Dog“ von Philippe Mora. „Die Indianer sind noch fern“ von Patricia Moraz. „Why shoot the teacher“ von Silvio Narizzano.