Moskau, im Juni

Nicht nur beim Fußball in Argentinien haben die Franzosen Pech. Der bisherige Favorit der Sowjets in Europa ist auch in Moskau ausgeschieden. In der Runde der neun Länder, die sich im Wochenrückblick der Prawda qualifiziert haben wegen guter Beziehungen zur Sowjetunion, fehlen Frankreich und Belgien. Beide haben vorerst wegen Zaire ausgespielt. Dafür ist Österreich nach vorn gerückt – wie in Argentinien. Es folgen England, die Bundesrepublik, Italien und zum erstenmal Spanien.

Nach Breschnjews „historischem“ Paris-Besuch vor nur einem Jahr finden sich die Franzosen nun plötzlich in einer Klasse mit Amerikanern und Chinesen. Doch Frankreich kann durchaus wieder aufsteigen in der Prawda-eigenen Europa-Runde. Der Kreml signalisiert, daß er die regionale und begrenzte Kooperation mit den meisten Westeuropäern fortsetzen will. Global jedoch sucht die Sowjetunion die schwachen Stellen Amerikas.

Ist die so geteilte Westpolitik des Kreml nur die alte Politik der gespaltenen Zunge, um die Verbündeten gegeneinander auszuspielen? Oder spürt der Kreml angesichts Amerikas und Chinas Isolierungsängste, die ihn eine Rückversicherung suchen lassen? Offene Fragen, die Europa eine Vorsicht nach allen Seiten angeraten sein lassen.

C.S.-H.