Von Dieter Piel und Rolf Zundel

ZEIT: Graf Lambsdorff, ist die FDP noch zu retten?

Lambsdorff: Ja, wenn sie aus ihren Fehlern lernt.

ZEIT: Welche Fehler hat sie gemacht, zum Beispiel in den Ländern, in denen gewählt wurde?

Lambsdorff: Wir haben unterschiedliche Fehler gemacht. In Niedersachsen haben wir es nicht vermocht, unsere Politik der Auflockerung deutlich zu machen, und wir haben keinen optimalen Wahlkampf geführt, um das Mindeste zu sagen. In Hamburg haben wir versucht, eine Politik links von der SPD zu machen. Dort aber ist nach meiner Überzeugung für die FDP kein Platz. Und wir haben uns in Hamburg dadurch zu profilieren bemüht, daß wir unseren Lästigkeitswert innerhalb einer Koalition stets bis an den Rand des für den Partner Ertragbaren getrieben haben. Damit verliert man den Anspruch auf Seriosität und auch auf Attraktivität für die Wähler.

ZEIT: Die „Auflockerungsstrategie“ war ja nicht nur ein niedersächsisches Problem, sondern es war die von der Bundes-FDP erfundene Bezeichnung für eine Politik, die auch in Niedersachsen praktiziert worden ist. Was ist eigentlich im Bund falsch gemacht worden?

Lambsdorff: Ich glaube, wir hätten deutlicher machen können, daß ohne die Auflockerungspolitik die Verträge mit Warschau nicht zustande gekommen wären und daß ohne diese Politik in Hannover und in Saarbrücken – wo im übrigen das Bündnis funktioniert und wo die Position der FDP im Lande keineswegs schlecht aussieht – das Kostendämpfungsgesetz im Gesundheitswesen nicht zustande gekommen wäre. Diese beiden Beispiele zeigen, daß die Auflockerungsstrategie ganz wesentlich dazu beigetragen hat, den Bundesrat und damit die Bundespolitik insgesamt bewegungsfähig zu erhalten.