Nachdem ich das Plakat gelesen hatte, setzte ich meinen Weg fort und vernahm nach zehn Schritten die schön hamburgisch getönte Stimme eines Herrn: „Wenn ich nicht irre, mein Herr, dann schmunzeln Sie. Nich? Ob Sie mich daran woma teilnehmen lassen könnten?“ Ich fand die Frage interessant und sympathisch. Auch stutzte ich, weil mir von meinem Schmunzeln nichts bekannt war. Ich sagte aber: „Nun, denn kommen Sie mal mit!“ Und führte den Herrn zum Plakat zurück.

Da war ein Bild von Herrn Professor Dr. Dieter Biallas, Zweitem Bürgermeister und auch Senator für Wissenschaft und Kunst, und was er von seiner FDP vor der Wahl zu sagen hatte, stellte sich in wohltuend einfachen Worten, also in gutem Deutsch, dar: „Was wir vor vier Jahren gesagt haben“ – so oder sehr ähnlich lautete der Text – „haben wir auch getan. Und was wir jetzt sagen, tun wir auch in den vier Jahren.“

Weil solche Sätze nach der Wahl anders wirken als vor der Wahl, beobachtete ich den Schmunzelforscher neben mir: er hatte nun selbst ein Schmunzeln im Gesicht. Erheiterung begleitete die Antwort auf die Frage, was die FDP im Hamburger Senatsgehege (so nennt man die Rathausräume, in denen beraten und regiert wird) in den kommenden vier Jahren tun kann: Nichts. Denn die Partei verschwand ja im Wirbel der Strömungen unterhalb der Fünf-Prozent-Grenze. Ein Vorgang, der von den Betroffenen „Katastrophe“ genannt wurde.

Eine Katastrophe – und wir schmunzeln!

Hier müssen wir uns jedoch klarwerden, daß wir nicht über die Niederlage dieser Partei lächelten, sondern über den Text, der gleichwohl angenehm war, weil einfach und von sicherer Bescheidenheit. Doch nun, da das Ereignis vorüber ist, für das er geschrieben wurde, verführt er uns, ihn quasi umzukehren: Die Partei, die vor vier Jahren offenbar Gutes gesagt und dann auch getan hat, sie setzte voraus, daß jeder dies wisse. Als sie nun aber versprach, weitere vier Jahre zu tun, was sie gesagt hatte, antworteten die Wähler: „Genug!“ Sie wird in den kommenden Jahren nichts tun, jedenfalls nichts im „Gehege“.

Und angesichts dieser Tatsache läßt der schöne, einfache Text vermuten, daß diese Partei auch in den vergangenen Jahren nicht genug Wünschenswertes gesagt und getan habe: dies jedenfalls nach Ansicht der Wähler. Dürfen wir daraus folgern, daß es doch besser ist, dick aufzutragen und sich kräftig zu brüsten, so müssen, wir doch auch sagen: Schade um den schönen Text! Schade, daß er so schnell alterte und dabei so zweideutig wurde! Ein Witz wider willen. Ein Schmunzelscherz.

Vor allem aber sei den Parteien dringend empfohlen: Hütet euch, die Wahlplakate über die Wahl hinaus hängen zu lassen. Laßt sie so schnell wie möglich verschwinden; sie versprechen zu viel, und wenn es noch so wenig ist.