Sehr geehrter Herr Bucerius, ich danke Ihnen für den Artikel "Hinrichtungen vor Kriegsende – von der Last, auswählen zu müssen" (ZEIT vom 9. Juni).

Sie legen mir jedoch einen Ausspruch zur Last, den ich nicht getan habe: "... was damals Rechtens war, kann heute nicht unrecht sein." Ich habe alle meine Aussagen, Pressemitteilungen und Bänder überprüfen lassen mit dem Ergebnis, daß ich eine derartige Erklärung nicht abgegeben habe. Nur das Nachrichtenmagazin Der Spiegel legt ein Gespräch so aus, das am Himmelfahrtstag in meiner Wohnung geführt wurde. Damals habe ich mich aber nur gegen den Vorwurf der Journalisten gewehrt, ich hätte im Falle Gröger das damalige Recht gebeugt. Selbst dieser Vorwurf ist inzwischen durch das Urteil des Landgerichts Stuttgart widerlegt. Auch habe ich die Hinrichtung keineswegs vergessen können. Ich habe immer gesagt, daß ich eine leider nur zu deutliche Erinnerung an diese Hinrichtung habe – allerdings nicht an die Verhandlung, bei der ich als plötzlich hinzugezogener Anklagevertreter auftreten mußte.

Mit freundlichen Grüßen

Hans Filbinger