Damit keiner den anderen mit Haut und Haar verschlinge, hatten die beiden Herausgeber vereinbart, den neuen Chefredakteur außerhalb der beiden Verlagshäuser zu suchen. Dennoch machten sich plötzlich die Nachrichten-Mannen für ihren Chef Hermann Battaglia stark. Der indes war als früherer Chefredakteur der sozialdemokratischen Tagwacht dem Partner zu deutlich rot angehaucht. Als taktischen Gegenzug reklamierte dann das Tagblatt die Redaktionsspitze des neuen Blatts für ihren Chefredakteur Heinz Ramstein, den früheren Kurdirektor von Arosa.

Diese taktische Polarisierung verhalf schließlich am Montag dem alten Plan – Mann von draußen – zum Durchbruch. Chefredakteur der neuen Berner Zeitung wird Peter Schindler, früher beim Berner Bund, zuletzt im PR-Geschäft. Er erhält zwei Vertreter: Heinz Ramstein, den jetzigen Tagblatt-Boß, und Othmar Kempf, gegenwärtig Vize bei den Nachrichten. Der Nachrichten-Macher Hermann Battaglia, nach einem Herzinfarkt für Monate außer Gefecht, avanciert zum Planning Directors des neuen Blattes.

Ein Presseintopf à la Basel aber bleibt den Bewohnern der helvetischen Kapitale auf jeden Fall erspart. Sie genießen weiterhin „Berner Platte“. Denn zum Glück gibt’s noch den Bund, im Chor der noch drei großen Berner Blätter zwar der kleinste, keineswegs aber stimmenschwächste, verfügt er doch als Leibblatt der gehobenen Schichten „aus Tradition über einen wesentlich größeren Einfluß auf die politische Meinungsbildung“ (Aargauer Tagblatt). Bund-Chefredakteur Paul Schaffroth macht sich denn auch wegen der Zusammenballung der Konkurrenz keine Sorgen: „Unser Zielpublikum ist in den keine kraftklassen eins und zwei angesiedelt, das der anderen in den Klassen drei und vier.“

Eines gilt indessen als sicher: im 291 Gazetten zählenden helvetischen Blätterwald, von manch strammen Eidgenossen gar als Bannwald der Demokratie gepriesen, wird die Axt ob der teuren Umstellung auf neue Drucktechniken in Zukunft noch häufig wüten.