Von Harry Pross

Xsagt zu Y, er solle mitkommen. Der muß aber erst sein Gepäck holen. Dann sieht man ihn dem anderen nacheilen, eine Nackte über die Schulter geworfen. Das ist Fernsehunterhaltung. Selten so gelacht.

Oder eine Plakatwand an einer österreichischen Bundesstraße: Ein Athlet in Unterwäsche, unter den Armen Mädchen in Dessous, eins von vorn, eins von hinten. Dazu der Slogan: XY-Wäsche trägt sich gut.

Georges Falconnet und Nadine Lefaucheur bringen aus Frankreich ähnliche Beispiele visueller Präsentation von "Männlichkeit", die dann durch zweideutige Texte die Frau "als männliches Accessoire" deuten –

Georges Falconnet/Nadine Lefaucheur: "Wie ein Mann gemacht wird", aus dem Französischen von Ulrike Edschmid und Roline Schmit; P 70, Wagenbach, Berlin, 1977; 124 S., Abb., 8,50 DM

Die Autoren schließen daraus, daß nach gültiger Konvention ein "echtes Männerleben" sich auf der Suche nach Herrschaft befinde und die Macht über Frauen zum Kern des Besitzes werde. Dies sei nicht naturnotwendig so, sondern Ergebnis eines künstlichen Gegensatzes von Mann und Frau, der durch die Frauenemanzipation ins Wanken gekommen ist Und die Männer verwirrt zurückläßt. Sie müssen eine neue Rolle finden. "Das Prinzip ‚Der Beste soll siegen‘ hält die hierarchisch-sexistische kapitalistische Ordnung aufrecht." Die Autoren "wollen alles – und zwar sofort", ein bißchen weniger zu wollen, widerspricht ihrem Klassen(kampf)ziel: "Wer das ,Privatleben‘ in Frage stellt, greift die stärksten Bastionen der bürgerlichen Gesellschaft an. Es kommt darauf an, das Elend des Alltags abzuschaffen – und nicht nur am Arbeitsplatz Der Mythos der großen Liebe (für die Frauen) und der Mythos von Macht und Männlichkeit (für die Männer) müssen zerstört werden. Die Grundlage dafür bilden Interviews mit 32 Männern, die zu dem denkwürdigen Ergebnis kommen: "Alle Männer haben gewöhnlich die gleichen Vorstellungen über die weibliche Sexualität."

Mit dem "Abschied vom Mythos Mann", den Anthony Pietropinto und Jacqueline Simenauer mit ihrem "Report über das männliche Sexualverhalten" ankündigen, wird es wohl noch eine Weile dauern, sofern Mythos etwas mit Bild zu tun hat und mit Bündigkeit –